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von Cay Dobberke

Veröffentlicht am 03.07.2020

nur selten schaffen es Mieter, Abrisspläne von Hauseigentümern zu durchkreuzen. Beispielsweise ließ ein Vermieter in meinem Kiez nahe dem Ludwigkirchplatz ein Haus aus der frühen Nachkriegszeit so lange vergammeln, bis ein Gutachter ihm bescheinigte, die Erhaltung sei „wirtschaftlich nicht mehr vertretbar“. Viel häufiger werden Mieter einfach mit finanziellen Abfindungen zum Auszug überredet, damit ein Neubau mit luxuriösen Eigentumswohnungen entstehen kann. Genau dies ist nun wohl auch im langen Streit um das Haus an der Fechnerstraße 7 / Ecke Uhlandstraße passiert.

Passanten kennen das Gebäude wegen der Imbisslokale entlang der Uhlandstraße zwischen der Fechner- und der Berliner Straße.

„Unser Kampf gegen den Abriss des Hauses hat ein Ende gefunden“, sagt Alexandra Elgert im Namen des „Freundeskreises Fechnerstraße 7“. Die letzten sieben Mieter hätten sich „mit dem Eigentümer geeinigt und zum Stillschweigen verpflichtet“. Den Ausschlag habe aber nicht das Geld gegeben. Vielmehr habe den Bewohnern die Kraft gefehlt, um die Auseinandersetzung fortzuführen. „Als die Verhandlungen mit dem Investor begannen, zog sich die Politik zurück. Dies verstärkte unser Gefühl, allein gelassen zu werden.“

Die BVV lehnte den Abriss zwar mehrheitlich ab, doch laut Elgert ist es „allein unseren Anwälten verdanken“, dass schließlich eine akzeptable Lösung erreicht wurde. Im Frühjahr 2021 ziehen die verbliebenen Mieter aus. Zuletzt hatte die bezirkliche Linksfraktion gefordert, einen geplanten städtebaulichen Wettbewerb „dahingehend zu überarbeiten, dass der Erhalt des Bestandsgebäudes festgeschrieben wird“.

Die Immobilienfirma Krieger & Schramm hat das Haus vor zwei oder drei Jahren gekauft und zeigt auf seiner Webseite eine Simulation des Neubaus „Uhland House“. Sofern „vergleichbarer Ersatzwohnraum“ geschaffen werde, müsse man das Projekt genehmigen, sagte Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) im BVV-Stadtentwicklungsausschuss. Der Investor wolle die Zahl der Wohnungen von 30 auf 25 verringern, was der Zweckentfremdungsverordnung widerspreche. Der Firma stehe es jedoch frei, Ersatzwohnungen „woanders nachzuweisen“.

Den Mietern nutzt das nichts. „Wir sind jetzt auf der Wohnungssuche“, sagt Alexandra Elgert. Abermals werde „preiswerter Wohnraum in Berlin vernichtet“. Immerhin habe der Konflikt gezeigt, dass „man nicht so einfach Politik über die Köpfe von Menschen hinweg machen kann“. Sie wolle sich weiterhin in Mieterinitiativen im Bezirk engagieren.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an cay.dobberke@tagesspiegel.de