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von Cay Dobberke
Veröffentlicht am 02.08.2024
verdient die Postbank noch ihren Namen? Diese Frage scheint mir berechtigt angesichts der neuesten Schließungspläne, die in dieser Woche bekannt wurden. 17 der aktuell 37 Filialen in Berlin werden bis 2026 geschlossen. In weiteren 15 wird es keine Postdienstleistungen mehr geben. Unverändert bleiben nur fünf Standorte, von denen keiner in unserem Bezirk liegt.
Das Geldinstitut will zur „Mobile-First“-Bank werden und seine Kundschaft damit hauptsächlich online bedienen. Seit einigen Jahren ist es ein Tochterunternehmen der Deutschen Bank. Gleichzeitig betreibt die Deutsche Post gar keine eigenen Niederlassungen mehr. Ihre Brief- oder Paketdienste gibt es nur noch in – immer weniger – Postbankfilialen und anderen Partnershops, von denen die meisten Einzelhandelsgeschäfte sind.
Hier eine Übersicht für Charlottenburg-Wilmersdorf. Mitte Oktober schließt die Postbank an der Uhlandstraße in Wilmersdorf, die ihre Zusammenarbeit mit der Deutschen Post bereits im Mai beendet hatte.

Die Postbank zieht sich 2025 auch aus der Soorstraße in Westend zurück und im Jahr 2026 aus dem Einkaufszentrum „Wilma Shoppen“ in der Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße.
In eine reine Bankfiliale wird der Standort an der Joachimsthaler Straße nahe dem Bahnhof Zoo im kommenden Jahr umgewandelt. 2026 geschieht dasselbe an der Otto-Suhr-Allee.

Das legendäre Postamt innerhalb des Bahnhofs Zoo gibt es übrigens schon seit 1998 nicht mehr. 40 Jahre lang hatte es rund um die Uhr geöffnet und zuletzt immerhin noch bis Mitternacht. Deshalb war es wichtig für eilige Terminsachen. Viele Studierende verschickten noch kurz vor dem Einsendeschluss ihre Examensarbeiten, und Architekt:innen reichten Wettbewerbsbeiträge im letztmöglichen Moment ein.
Partnershops erweisen sich oft als guter Ersatz, soweit es um Dienste der Post beziehungsweise DHL geht. Die Öffnungszeiten sind meistens sogar länger. Anders ist es beim Geld. Die Postbank hinterlässt bei Filialschließungen in der Regel nicht einmal einen Geldautomaten.
Die Alternativen eignen sich nicht für alle. Mit Online-Banking tun sich vor allem ältere Menschen oft schwer. Für Bargeld-Abhebungen empfiehlt die Postbank die Geldautomaten der Deutschen Bank sowie bestimmte Supermärkte und Tankstellen. Ich kenne aber gehbehinderte Menschen, denen das wenig nutzt, weil die nächsten Automaten der Deutschen Bank oder Tankstellen kilometerweit entfernt liegen. Sofern ein Supermarkt die Kontoabhebungen anbietet, muss man üblicherweise für mindestens 20 Euro einkaufen und bekommt dann höchstens 200 Euro ausgezahlt. Das kann auf Dauer ziemlich mühsam werden.
Der Wechsel zu einer anderen Bank hilft nicht immer, denn der Trend zum Online-Banking zieht sich durch die ganze Branche. Beispielsweise hat auch die Berliner Sparkasse viele Standorte aufgegeben. Immerhin sind ihr Filialnetz und die Zahl ihrer Geldautomaten noch größer.
Fotos: Cay Dobberke, Imago/Schöning