Namen & Neues

Breitenbachplatz: Die Brücke soll weg - aber das dauert

Veröffentlicht am 04.10.2019 von Markus Hesselmann

Ab Nordkante Autobahnbrücke gehört der Breitenbachplatz zu Wilmersdorf. Die platzüberspannende (und -zerstörende) Brücke wirkt wie aus einem Roman von J.G. Ballard, dem britischen Schriftsteller, der den Beton- und Blechwahn unserer Zeit schon früh ins Dystopische steigerte. Doch dieses Stück Ballardistisches Berlin muss nun weichen. Sollte man meinen, denn irgendwie sind alle dafür, die Stelzenstraße, die der Ideologie der autogerechten Stadt entsprang, wieder abzubauen, von der CDU bis zu den Linken. Trotzdem herrscht noch Redebedarf und so luden die Grünen diese Woche zur Debatte. Ulrich Rosenbaum von der Bürgerinitiative Breitenbachplatz erzählte dabei historisch Spannendes, zum Beispiel, dass der Platz nie baulich vollendet wurde, denn die Nazis stoppten die südliche Ausdehnung der Wilmersdorfer Künstlerkolonie. Nun gebe es bauliche Pläne, die daran anknüpften. Uta Bauer vom Deutschen Institut für Urbanistik präsentierte Beispiele für Rückbau-Projekte von Ludwigshafen bis New York, bei denen Stadtraum dem Auto wieder abgerungen wird (ausführlich hier bei Südwest-Kollege Boris Buchholz). Mir gefiel vor allem Bauers Hinweis auf die Rudolf-Wissell-Brücke als Teil der A100 in Westend, die wir wie selbstverständlich erneuern (siehe Meldung weiter unten), während anderswo darüber nachgedacht wird, solche Beton-Leviathane loszuwerden.

Zurück also in der Gegenwart und in Berlin – und rasch dann auch wieder beim Leitthema dieses Newsletters. Denn der Grünen-Abgeordnete Benedikt Lux wies auf – Sie ahnen es – Personalmangel hin, der dazu führe, dass in der grün-geführten Senatsverkehrsverwaltung erst Ende 2020 mit der Machbarkeitsstudie zur Autobahnbrücke begonnen werden könne. „Wir können schneller sein, wenn es entsprechend Druck der Abgeordneten und Bürger gibt“, sagte er dann. Die Tatsache, dass es bis auf die AfD einen breiten politischen und gesellschaftlichen Konsens pro Abbau der Brücke gebe, ist für ihn „ein Riesengeschenk“. Zumal das Projekt Signalwirkung für die Verkehrswende in Berlin hat.

P.S.: Derzeit sucht die Senatsverwaltung zum Beispiel eine Spitzenkraft für die Leitung ihrer neuen Abteilung Verkehrsmanagement. Und wie wird die Stellenanzeige anmoderiert? „Die Ausschreibung richtet sich an Beamtinnen und Beamte, die die laufbahnrechtlichen Voraussetzungen für das zweite Einstiegsamt der Laufbahngruppe 2 des allgemeinen nichttechnischen Verwaltungsdienstes bzw. des technischen Dienstes im Land Berlin erfüllen.“ Auch solche verquasten Formulierungen tragen womöglich dazu bei, dass Jobs in der Berliner Verwaltung nicht gerade attraktiv erscheinen. Das sollte anders klingen, einladender, attraktiver (siehe oben, siehe Newsletter-Intro).