Namen & Neues
Newsletter-Leser für Böllerverbot
Veröffentlicht am 23.01.2020 von Cay Dobberke
27 Leserinnen und Leser haben uns auf die Frage geantwortet, ob und wo privates Feuerwerk in der Silvesternacht untersagt sein sollte – und fast alle sprechen sich für ein stadtweites Verbot aus, das mit öffentlichen Lichterspektakeln an zentralen Orten einhergehen sollte. Wir hatten Sie anlässlich des BVV-Antrags Private Pyrotechnik zu Silvester einschränken um Ihre Meinung gebeten. Die Grünen-Fraktion fordert das Bezirksamt auf, festzustellen, wo Feuerwerk die Bürger besonders gefährdet hat. Nach dem Vorbild der zwei neuen Verbotszonen in Mitte und Schöneberg wollen die Grünen solche Gebiete in unserem Bezirk prüfen lassen, und zwar besonders in Straßen mit Krankenhäusern oder Kinder-, Senioren- und Pflegeheimen.
Seit 50 Jahren flüchte sie immer wieder zu Silvester aus Berlin, schreibt uns Helga Wahlers. „In diesem Jahr war ich mal wieder in der Stadt, da ich annahm, dass durch die katastrophale Klimaentwicklung Abstand von Kanonenschlägen, Revolverschüssen, zischenden Feuerwerkskörpern und Rauch genommen würde. Nichts dergleichen.“ Von 18 Uhr bis morgens um 6 Uhr habe ihr Charlottenburger Kiez wie im „Kriegszustand“ gewirkt. Schön seien nur öffentlich organisierte Feuerwerke an zentralen Orten wie dem Brandenburger Tor.
Eine „negative Entwicklung“ beklagt Claudia Hohmann: „Wer in der Silvesternacht mit Schreckschusspistolen auf Menschen oder mit präparierten Feuerwerkskörpern auf Fenster zielt, hat das Einmaleins für einen respektvollen Umgang mit seinem Nächsten nicht verstanden.“ Es nutze wenig, Straßenabschnitte für Pyrotechnik zu sperren, zumal dies der Polizei viel Arbeit mache. Sinnvoller sei ein allgemeines Verkaufsverbot. Die Bezirke könnten selbst entscheiden, ob sie Profis mit dem „kontrollierten Abbrennen von Feuerwerk“ beauftragen.
Kracher sollten nicht mehr im Handel angeboten werden, findet auch Evelyn Maehliss. Raketen seien weniger störend. „Aber am schönsten wäre es, ein vom Bezirk auf einem geeigneten Platz veranstaltetes Feuerwerk zu sehen, und das ist es dann.“ Krach, Feinstaub, häufige Verletzungen und „die vielen Tiere, die jämmerlich leiden“, seien „mit einer Großstadt nicht zu vereinbaren“.
Über eine böllerfreie Paretzer Straße würden sich Gabriele Weingartner und Volker Heinle freuen. Bis drei oder vier Uhr morgens am Neujahrstag krache, qualme und rauche es dort – obwohl sich das St. Gertrauden-Krankenhaus an der Straße befinde. Rund um die Gardes-du-Corps-Straße führten Böllerkanonaden zu „richtigen Druckwellen“, beklagt Margarethe Speth. „Ich befürchtete, dass meine Wohnungsfenster zerbersten.“ Auch auf die Bewohner eines Seniorenheims am Klausenerplatz werde „keinerlei Rücksicht genommen“. Andere Leserinnen und Leser schlagen den Rüdesheimer Platz und den Walter-Benjamin-Platz als Verbotszonen vor.
Auch die schönste Feuerwerksrakete werde „hässlich, wenn sie ein Wohnhaus in Brand setzt und dessen Bewohner zumindest vorläufig obdachlos macht“, schreibt uns eine Betroffene aus Schöneberg. Sie verlangt ein „Komplettverbot für sämtliche Pyrotechnik in privater Hand“.
Nur noch in bestimmten „Erlaubniszonen“ sollten Raketen gezündet werden dürfen, findet Patricia Schwietzke. Als Bewohnerin der Mierendorff-Insel fände sie dafür den Mierendorffplatz geeignet, außerdem den Platz vor dem Schloss Charlottenburg, den breiten Mittelstreifen der Schloßstraße oder Supermarkt-Parkplätze. Dagegen müsse der Verkauf von Böllern und Schreckschusspistolen ganz gestoppt werden.
Zentrale Feuerwerke hätten sich weltweit als gute Alternativen erwiesen, lautet der Tenor der meisten Einsendungen. So hat Helmut Hilsmann mehrmals in Paris erlebt, wie sich fröhliche Menschen umarmten, „angstfrei“ durch die Straßen spazierten und das von der Stadt veranstaltete Höhenfeuerwerk genossen.
„Ganz wird man Feuerwerke nicht verbieten können“, glaubt Joachim Schirrmacher. Die Tradition sei „zu tief in der Gesellschaft verankert.“ Sinnvoll seien aber „Vorgaben für die Lärm- und Feinstaubbelastung“, eine Zeitbegrenzung von 20 bis 1 Uhr und eine rasche Müllbeseitigung – auch durch die Verursacher. Kritisch sieht Erik Weise den BVV-Vorstoß der Grünen: „Auch ich bin überhaupt kein Freund von Böllern, aber noch weniger bin ich ein Freund dieser Diskussion über Verbotszonen.“ Weise ärgert sich über Politiker, die „anderen Menschen ständig etwas verbieten wollen“. Als besonders negatives Beispiel nennt er das Grillverbot im Tiergarten.