Kiezgespräch

Veröffentlicht am 10.05.2019 von Cay Dobberke

Kritik am Badeverbot wächst. Ein neuer Zaun trennt die hauptsächlich von Nudisten genutzte Liegewiese am Halensee vom Wasser, und am letzten schmalen Zugang steht ein Badeverbotsschild. Wir hatten darüber schon berichtet. Nun erreicht das Thema auch die Politik. „Baden für alle im Halensee“, verlangt die SPD-Fraktion in einem BVV-Antrag. Das Bezirksamt soll „unverzüglich Maßnahmen ergreifen, durch die das Baden wieder im gesamten Halensee möglich wird“.

Für „nicht nachvollziehbar“ hält die SPD das Verbot an nur an einer Stelle, „nachdem jahrelang an einer Verbesserung der Wasserqualität gearbeitet und die Unbedenklichkeit bestätigt wurde“. Die Behauptung des Umweltamts, nur die Strandbar „Ku’damm Beach“ auf dem Gelände des früheren Freibads sei nicht von zu hoher Kolibakterien-Belastung betroffen, solle mit einer „Strömungsmessung“ überprüft werden.

Mit einer Petition unseres Lesers Hans Markert hat sich der BVV-Ausschuss für Eingaben und Beschwerden noch nicht beschäftigt. Markert sammelte rund 30 Unterschriften für einen „Rückbau des Zauns“ und schlägt vor, das Verbotsschild durch einen Hinweis zu ersetzen, wonach das Schwimmen auf eigene Gefahr geschehe.

Im Ku’damm-Beach müsse der Eintritt für alle Berliner „bezahlbar“ werden, fordert die SPD in einem weiteren Antrag. Der Bezirk soll sich bei den Berliner Bäder-Betrieben für eine Vertragsänderung einsetzen, die den Pächter dazu verpflichtet, die Preise auf das Niveau der öffentlichen Freibäder zu senken. Bisher zahlen Gäste der Strandbar 12 Euro inklusive der Miete für eine Liege (oder 8 Euro für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren).

Doch die Bäderbetriebe sind nicht frei in ihrer Vertragsgestaltung mit privaten Betreibern, wie Sprecher Matthias Oloew auf Nachfrage erklärte. Die Verpachtung aller Strandbäder außer dem Strandbad Wannsee gehe auf einen Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses aus dem Jahr 2008 zurück. Die Landespolitiker hätten Strandbäder „nicht als Kernaufgabe“ des Unternehmens eingestuft und angestrebt, die Kosten nicht mehr aus Steuergeldern zu decken. So sei es zu Bieterverfahren gekommen, bei denen „das beste Gebot sticht“. Die Verträge gelten fünf Jahre lang mit einer Option auf eine fünfjährige Verlängerung. Danach folgt eine Neuausschreibung.

Anfangs „haben wir tatsächlich versucht, den Betrieb nur zu Preisen der Bäderbetriebe zu gestatten“, sagt Oloew. Ein Gericht habe dies aber untersagt. Laut dem Urteil müsse ein Unternehmer „frei sein in dem, was er tut“. Nur mit Unterstützung des Abgeordnetenhauses könnten die Bäderbetriebe einen neuen Anlauf für Preissenkungen bei verpachteten Anlagen nehmen. Es handele sich um eine „politische Entscheidung“.

Wie es scheint, richtet sich der SPD-Vorstoß für weniger Eintrittsgeld im „Ku’damm-Beach“ also bisher an den falschen Adressaten. Die Strandbar hat den Start ihrer Badesaison soeben für den 1. Juni angekündigt.

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