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Mieter*innen der Hasenheide 52/53 protestieren gegen Hausverkauf

Veröffentlicht am 08.04.2021 von Corinna von Bodisco

Es ist ein Schicksal wie so viele in Friedrichshain-Kreuzberg, doch für die Mieter*innen ist es immer gleich schlimm, wenn das eigene Haus verkauft wird und Modernisierungen, Mieterhöhungen oder Eigenbedarfskündigungen drohen. Diesmal geht es um die Hasenheide 52/53, einem Haus mit 24 Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten. Es wurde an die „JaVa Liegenschaften GmbH & Co.“ verkauft, teilt die Hausgemeinschaft mit. Der Bezirk prüft aktuell sein Vorkaufsrecht, die Frist dafür läuft am 15. April ab.

Am kommenden Samstag, den 10 April, wollen die Aktiven der Hausgemeinschaft und Unterstützer*innen vor dem U-Bahnhof Südstern auf ihre Situation aufmerksam machen. Die Kundgebung von 11 bis 13 Uhr ist in erster Linie ein Protest, der auf die Bedarfe der Mieter*innen aufmerksam machen will („Wohnraum darf keine Ware sein!“). Die Bewohner*innen der Hasenheide 52/53 fordern unter anderem stärkere Mieter*innenrechte, eine Ausweitung des Vorkaufsrechts und des Milieuschutzes. Mit dem Protest am Südstern wollen sie aber auch landeseigene Wohnungsbaugesellschaften erreichen, die beim Vorkauf einspringen und ihr Haus kaufen könnten.

Die Hasenheide 52/53 ist nicht das einzig betroffene Gebäude, der Bezirk prüfe aktuell das Vorkaufsrecht für neun Häuser, twitterte kürzlich Baustadtrat Florian Schmidt. Für die folgende Häuser läuft die Vorkaufsfrist noch in diesem Monat ab: Hasenheide 52/53, Auerstraße 26, Katzbachstraße 32, Solmsstraße 11. Der Käufer der Hasenheide 50 und der Auerstraße 41 und 43 hat inzwischen einer Abwendungsvereinbarung des Bezirks zugestimmt (Nele Jensch über die Hasenheide 50 im letzten Newsletter). Dadurch sollen Luxussanierungen und Umwandlung in Eigentumswohnungen verhindert werden. Der Käufer der Hasenheide 52/53 erklärte sich bisher zu diesem Mieter*innenschutz nicht bereit.

„Unser Käufer ist ein zielgerichteter Investor“, sagt eine Bewohnerin. Laut einer Recherche der Mieter:innengewerkschaft ist die „JaVa Liegenschaften GmbH&Co“ ein Subunternehmen der „Plutos Group“ mit Sitz in Zossen. Der Geschäftsführer Peyvand Jafari drückt sein Anliegen anders aus als die Bewohnerin: „Mit meinem Unternehmen schaffe ich Werte für Menschen – und für Berlin“, steht auf seiner Webseite.

„JaVa Liegenschaften Hasenheide GmbH & Co. KG“? Bei einer Tagesspiegel-Anfrage an die Plutos Group taucht wiederum ein neues Unternehmen mit dem Namen „JaVa Liegenschaften Hasenheide GmbH & Co. KG“ auf. Diese GmbH sei kein Subunternehmen der Plutos Group, teilt Plutos mit.

Auf die Frage, ob die Befürchtungen der Mieter*innen berechtigt seien, schreibt die Plutos Group: „Uns ist bewusst, dass die Mieter, hinsichtlich des Verkaufs, verunsichert sind.“ Doch für die Mieter*innen ändere sich nichts. Weder eine Umwandlung in Eigentumswohnungen noch Luxusmodernisierungen seien vorgesehen. Die Familie Jafari wolle die Immobilie stattdessen langfristig im Bestand halten. Warum? „Die Immobilie in der Hasenheide 52/53 wurde ausschließlich für den privaten Bestand der Familie Jafari erworben“, heißt es. Deswegen wolle man sich nicht weiter zur Immobilie äußern.

Übrigens: Jafari ist zugleich Mitglied des Aufsichtsrates der „Fortis Group“, eine Immobilienfirma, die sich laut Webseite der „Bestandsentwicklung von wohnwirtschaftlich geprägten Immobilien“ widmet. Die Reichenbergerstraße 58, in der kürzlich die Kiezkneipe Meuterei geräumt wurde, war 2011-2013 ein Projekt der Fortis Group – gemeinsam mit Zelos Properties (Kernsanierung und Dachgeschossausbau). Die Firmen Fortis und JaVa teilen sich die gleiche Adresse in Zossen.