Namen & Neues

Debatte um Markt an der Markthalle Neun

Veröffentlicht am 13.10.2022 von Corinna von Bodisco

In der Eisenbahnstraße bahnt sich etwas an: ein Wochenmarkt vor einer Markthalle – sozusagen ein Markt vor einem Markt. Darüber haben Anwohner:innen wie berichtet bereits ihren Unmut geäußert. Das Bezirksamt prüft aktuell eine sogenannte Antragsvoranfrage für eine mögliche Nutzung der Straße vor der Markthalle Neun für einen Wochenmarkt.

Anwohner:innen aus dem Einzugsbereich hatten mit einem Aushang gegen die laufende Planung für einen „M9-Street-Food-Wochen-Markt“ protestiert. „Derzeit läuft ein intransparentes Planungsverfahren“ beim Bezirksamt, „welches nur durch Zufall und bisher unvollständig bekannt wird“, ist auf dem Aushang zu lesen. Weitere Kritikpunkte: „Unzumutbare zusätzliche Belastungen für die Anwohnerschaft und das Gewerbe im Einzugsgebiet“, „Lärm, Vermüllung, Verkehrschaos“, „Erreichbarkeit des Gewerbes nur noch sehr eingeschränkt möglich“.

Nach Veröffentlichung des Newsletter-Artikels vergangene Woche teilt die Anwohnerschaft mit: „Unser Protest richtet sich nicht per se gegen den Betrieb der Markthalle Neun (M9) innerhalb des dafür vorgesehenen Markthallengebäudes, sondern gegen die Ausweitung des M9-Betriebs auf das öffentliche Straßenland.“ 

Das Verfahren wurde in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 28. September auf eine Anfrage des SPD-Verordneten Ahmet Iyidirli erstmals angesprochen. 

In einer E-Mail an die Anwohner:innen vom 6. Oktober teilte Verkehrsstadträtin Annika Gerold (Grüne) für das Bezirksamt mit: „Neben den bereits bestehenden beiden Marktständen am Samstag, sollen vier weitere Sondernutzungsflächen hinzukommen.“ Für eine erste Vorprüfung habe das Straßen- und Grünflächenamt Gespräche mit Gewerbetreibenden vor Ort geführt, um „die grundsätzliche verkehrliche Machbarkeit einer solchen Sondernutzung zu prüfen“. Dabei sei über verkehrliche Bedarfe wie beispielsweise Anlieferungen der Apotheke gesprochen worden. Die Planung stehe noch am Anfang – „sollte ein Antrag auf Sondernutzung gestellt werden, wird hierfür ein detaillierter Genehmigungsprozess durchlaufen“. Über den Abschluss der Prüfung würde das Bezirksamt in Form eines Aushangs informieren.

Dass es nur um vier neue Sondernutzungszonen gehe, bezweifeln die Anwohner:innen. „Ein Wochenmarkt der M9 wird Essen und Trinken anbieten mit Steh- und Sitzgelegenheiten“, so die Vermutung. Eine Information, Befragung und Beteiligung des ansässigen Gewerbes und der Anwohnerschaft habe nicht stattgefunden. Gewerbetreibende seien lediglich am 22. September „unangekündigt“ von Bezirksamt-Mitarbeitenden angesprochen worden. Aus Sicht der Gruppe von Anwohner:innen „gibt einen etablierten voll akzeptierten Wochenmarkt am verkehrsberuhigten Lausitzer Platz – jeden Freitag“.

Das Thema wird auch die Bezirkspolitik beschäftigen: Am heutigen Donnerstagabend berichtet das Bezirksamt ab 18. 30 Uhr im öffentlichen Verkehrsausschuss (Telefon- und Videokonferenz) über die „Pläne zu einem Markt auf der Eisenbahnstraße“.

Eine Große Anfrage der SPD mit dem Titel „Planungsverfahren zu einem Wochenmarkt in der Eisenbahnstraße im Abschnitt der Markthalle Neun“ steht für die BVV am kommenden Mittwoch auf der Tagesordnung. Die 18 Fragen, die Ahmet Iyidirli (SPD) an das Bezirksamt stellt, können Sie hier lesen. Laut Iyidirli müsse die öffentliche Straße in eine Markstraße umgewandelt werden und für die damit verbundene Änderung der Flächennutzungsverordnung die Anwohner:innen und Gewerbetreibenden beteiligt werden. Auch eine interessante Frage: „Warum wird nicht der Wochenmarkt am Lausitzer Platz wieder belebt, der das ansässige Gewerbe nicht tangieren würde, weil die Stände nicht direkt auf der Straße, sondern auf dem Platz platziert werden könnten?“ Es bleibt spannend.