Kiezgespräch

Veröffentlicht am 06.08.2020 von Corinna von Bodisco

Gieß- und Köttelkunde für die Liegewiese im Prinzenbad. Es ist über 30 Grad in Berlin – die besten Voraussetzungen also für eine ordentliche Abkühlung im Kreuzberger Sommerbad! Das dachten sich viele Berlinerinnen und Berliner, denn die Zeit-Slots für das Wochenende sind schon ausgebucht.

An den Wasserflächen im Prinzenbad gibt es auch nichts zu meckern, zwei Sportbecken bieten viel Schwimmfläche und im sogenannten Mehrzweckbecken Schwallduschen eine tolle Massage. Im Kiosk-Café kann man sich des riesigen, tollen Angebots wegen schwer entscheiden, auch Schwimmtiere werden verkauft.

Aber… will man sich nach der Abkühlung ein bisschen sonnen, fällt der Blick auf die Liegewiese und der geht es gar nicht gut. Der Boden ist trocken, der Rasen gelb und auf den zweiten Blick fallen sie auf: Kaninchenköttel der Kategorie „Heu-Köttel“, die schlimmstenfalls am Handtuch kleben bleiben. Was lässt sich daraus schließen?

1. Die Kaninchen fressen zu viel Heu, der trockene Rasen der Liegewiese ist für ihre Ernährung nicht abwechslungsreich genug. Obwohl die „Heu-Köttel“ von vielen Menschen als ideale Köttel interpretiert werden: Sie sind unnatürlich und können auf Verdauungsprobleme der Tiere hinweisen. Kaninchen brauchen neben Heu auch frisches Grünfutter.

2. Die Liegewiese wird nicht ausreichen gegossen. Eine trockene Wiese lässt auf mangelhafte Bewässerung schließen. Dieser Umstand hat laut einer Sprecherin der Berliner Bäder Betriebe mit der Baustelle für die Schwimmhalle Kreuzberg (wir berichteten) und mit Corona zu tun. Die Liegefläche wurde durch die Baustelle auf der Liegewiese erheblich verkleinert, „auf einem Teil der Wiese steht jetzt ein Bauzaun“, teilt die Sprecherin mit. Außerdem sind die Bereiche um die Becken, die sonst auch als Liegefläche genutzt wurden wegen Corona gesperrt. Die trockene Wiese ist folglich die einzige Liege-Möglichkeit.

„Vor Corona wurden Teile der Wiese oft die ganze Nacht gewässert – der feuchte Bereich wurde dann am nächsten Tag von den Gästen gemieden – es gab ja genügend Ausweichfläche. Das geht dieses Jahr nicht“, informiert die Sprecherin weiter. Aktuell gießen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bades stundenweise, doch das reiche natürlich nicht.

Vorschlag: Könnte die Liegewiese nicht gerade an warmen Wochenenden die halbe Nacht gewässert werden? Die hohen Temperaturen sollten ausreichen, um die Wiese bis etwa 10.30 Uhr, also bis zum Beginn des zweiten Zeit-Slots zu trocknen. Die Frühschwimmerinnen und -schwimmer haben es sowieso eilig und legen sich nach dem Sport selten hin. Und wenn das Gras dann wieder gesund ist, hätten die Kaninchen auch endlich genug Grünfutter.

  • Übrigens: Nur 30 von 316 Schwimmvereinen dürfen aktuell trainieren. Das ist problematisch… für Vereinsschwimmerinnen und -schwimmer und die (weniger schnellen) Freibadgäste. Mehr gibt’s in der neuen Digital-Abo-Rubrik: tagesspiegel.de

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