Intro
von Robert Klages
Veröffentlicht am 04.05.2020
wer reitet so früh durch Staub und Wind? Das „Freiraumwunder“ hat seinen ersten Auftritt. Nicht als Erlkönig, sondern angekündigt. Es ist eine Art Handkarren in der Größe eines Autos – und es sieht auch aus wie die Vorstellung von einem Auto, etwas wie in einem Bilderbuch. Es passt jedenfalls genau auf einen Parkplatz und will zeigen, dass man diesen anders nutzen könnte. Denn viele Autos stehen 23 Stunden pro Tag im öffentlichen Raum ungenutzt herum.
„Lichtenberger Aktivist*innen haben es mittels Crowdfunding gebaut, und es erlebt mit diesem Protest-Happening seinen ersten öffentlichen Auftritt“, heißt es in der Pressemitteilung von „Changing Cities“. Wir haben hier im Newsletter den Prozess begleitet: von der ersten Idee bis zur Umsetzung.
Auf dem Freiraumwunder finden mehrere Leute Platz. Der belegte Parkplatz soll auf dem Plätzen das Freiraumwunders zu einem Ort der Allgemeinheit werden. Also eine Art mobile Sitzbank, auch Parklet genannt. Hier ein Foto. Während der Fahrt sollen die Coronaregeln eingehalten werden, also 1, 5 Meter Abstand zwischen den Mitfahrenden.
Am 4. und 5. Mai soll das Ding zum Kanzleramt rollen. Dort soll nämlich am Dienstag ein Protest-Happening gegen den Autogipfel stattfinden – mit maximal 50 Teilnehmenden. (Angemeldete Versammlungen bis 50 Personen sind ab dem heutigen Montag wieder erlaubt, mehr dazu in der Rubrik „Namen und Neues“) Die Bundesregierung hat neue Hilfen für die Automobilindustrie angekündigt. Autofirmen wollen eine Neuauflage der Abwrackprämie, die ihnen während der Finanzkrise 2009 zusätzliche Milliardenumsätze bescherte. Laut Handelsblatt fordern die Autohersteller*innen einen Zuschuss von mehreren Tausend Euro pro Auto, um die Nachfrage spürbar anzukurbeln.
Dabei werde gerade jetzt der öffentliche Raum neu entdeckt, sagt Ragnhild Sørensen von Changing Cities. „Die Pandemie lässt uns erfahren, wie schön Stadt sein kann: mit guter Luft, weniger Autos und potenziell Platz für alle.“ Jetzt sei die Chance, eine nachhaltige Mobilität zu entwerfen und die Aufenthaltsqualität in den Städten wieder zu gewinnen. „Abwrackprämien dagegen führen uns direkt zurück in eine ungerechte und ungesunde Vergangenheit und sind die katastrophal falsche Antwort auf diese Pandemie.“
Changing Cities e.V fordert eine Mobilitätsprämie für alle statt einer Abwrackprämie nur für Pkw. Hiermit soll auch die Anschaffung von Fahrrädern, E-Bikes, ÖPNV-Tickets und Bahnfahrten unterstützt werden.
Am heutigen Montag rollt das Freiraumwunder vom Kaskelkiez zum Fernsehturm. Am Dienstag geht es weiter in die Willy-Brandt-Straße 1. Hier die Routen für Montag und Dienstag. Der genaue Standort kann mit der App „Critical maps“ verfolgt werden.
Robert Klages ist freier Journalist beim Tagesspiegel. Schreibt ihm bei Anregungen, Kritik, Wünschen, Tipps bitte eine E-Mail an leute-r.klages@tagesspiegel.de. Ansonsten ist er auch auf Facebook, Twitter und Instagram zu finden.