Namen & Neues

FDP will die Seilbahn sogar noch verlängern

Veröffentlicht am 13.11.2018 von Ingo Salmen

Jetzt schaltet sich auch der Bezirksverband der Freien Demokraten (ja, den gibt es) in die Debatte um die Seilbahn ein – mit einem ausführlichen „Ja, aber“. In einem Beschluss, der dem Tagesspiegel exklusiv vorliegt, lobt der Vorstand sie als „eine bereichernde Tourismusattraktion“, die erhalten werden sollte. „In der Form und Streckenführung ihrer heutigen Existenz ist sie jedoch kein probates Verkehrsmittel. Eine schlichte Überführung dieser Seilbahn in die BVG ist deshalb nicht sinnvoll.“

Die FDP gibt sich mit dem Kienberg nämlich nicht zufrieden: Sie will die Seilbahn verlängern, um sie auch für den Nahverkehr interessant zu machen – als Nord-Süd-Verbindung von Marzahn bis Köpenick. Ähnliches, wenn auch weniger konkret, hatte schon der Grünen-Abgeordnete Stefan Ziller angedeutet (siehe Newsletter vom 16. Oktober). Die Strecke sollte öffentlich geplant, der Betrieb als Teil der Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) ausgeschrieben werden. Für den Übergang sollte die bisherige Seilbahn in Form einer „Öffentlich-Privaten Partnerschaft“ (Modewort der Nullerjahre) weitergeführt werden. Das könnte also ein Modell mit dem bisherigen Betreiber Leitner bedeuten. Von einer Kosten-Nutzen-Analyse findet sich ausgerechnet im Papier der Wirtschaftspartei nichts, doch versichert der Bezirksvorsitzende Peter Kastschajew, dass diese natürlich Teil einer vernünftigen Planung sein sollte.

Das gilt auch für eine weitere Prüfung: Die FDP bringt noch eine weitere Strecke ins Gespräch, anders als die SPD aber nicht am Rande Berlins wie in Spandau oder Tegel, sondern mitten im verkehrskollabierenden Herzen der Stadt: der Leipziger Straße. Statt einfach die umstrittene Straßenbahn dort zu bauen, empfehlen die MaHe-Liberalen dort eine Seilbahn. Schon im April hatte die FDP-Fraktion „neue Verkehrsmittel wie Hyperloops, Schwebebahnen oder Seilbahnen“ in einem Mobilitätspapier (hier als PDF) als mögliche Alternativen zu klassischen Konzepten benannt. In der Leipziger klingt das tatsächlich ein bisschen nach Wuppertaler Schwebebahn: ohne Rattern, aber mit besten Ausblick in Plattenbau-Wohnzimmer.

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