Namen & Neues
Tausende Eltern wollen Kitas ihre Dankbarkeit zeigen
Veröffentlicht am 07.05.2019 von Ingo Salmen

Eltern können anstrengend sein. Sie wollen natürlich nur das Beste für ihr Kind, aber sind anspruchsvoll und penibel, bis es eine Kindertagesstätte an ihre Grenzen treibt. Nicht umsonst eilt Elternabenden der Ruf voraus, nervenaufreibend zu sein. Doch es geht auch anders. Das beweist eine Initiative vom Rande Berlins: Der Bezirkselternausschuss Kita (BEAK) Marzahn-Hellersdorf will am kommenden Montag, 13. Mai, die Arbeit von Erzieherinnen und Erziehern demonstrativ würdigen. Zum bundesweiten „Tag der Kinderbetreuung“ hat er 4000 gelbe Buttons im Bezirk verteilt, die Eltern sich anstecken können, um ihre Dankbarkeit gegenüber dem Kita-Personal öffentlich auszudrücken. Doch die Aktion muss nicht auf den Osten Berlins beschränkt bleiben: Es gibt auch Vorlagen zum Selberbasteln und zur Verbreitung in sozialen Medien.

„Eltern tragen am Tag der Kinderbetreuung diesen Button – am Arbeitsplatz, in der Uni und im öffentlichen Raum“, erklärt die BEAK-Vorsitzende Julia Friedrich (hier ein Interview aus dem Februar) die Initiative. „So machen sie auf die unverzichtbare Arbeit der Erzieher*innen aufmerksam.“ Die 36-Jährige ist Personalentwicklerin in Elternzeit und weiß um die Bedeutung auch kleiner Zeichen der Anerkennung. „An vielen Orten und in vielen Unternehmen kann wichtige Arbeit nur geleistet werden, weil unsere Kinder in Kita, Tagespflege und der ergänzenden Betreuung (Hort) betreut werden“, sagt Friedrich. „Das wollen wir in der ganzen Stadt sichtbar machen und ein politisches Zeichen setzen.“ Die Aktion zieht allmählich weitere Kreise: Auch Elternvertreter aus Tempelhof-Schöneberg und Spandau hätten die Idee schon aufgegriffen, berichtet Friedrich. Kita-Träger hätten ihr Interesse bekundet, selbst aus Hamburg gebe es schon Anfragen.
Ein großes „Danke!“ in Regenbogenfarben ziert die Anstecker. „Ich kann heute arbeiten, weil Erzieher*innen mein Kind betreuen“, heißt es weiter. Oder in einer anderen Variante: „Ich kann heute hier sein“. Das Bezirksamt hat die Produktion mit 1500 Euro aus dem Genossenschaftsfonds finanziert, einem Topf, in den Wohnungsunternehmen einzahlen, wie Familienstadtrat Gordon Lemm berichtet. Der Fonds laufe leider aus, erklärt der Sozialdemokrat. Er wolle die Arbeit der Eltern aber weiter unterstützen und deshalb Mittel im nächsten Bezirkshaushalt anmelden. Bei etwa 12.000 Kindern in rund 120 Kitas allein in Marzahn-Hellersdorf waren die 4000 Buttons schnell vergriffen. Vorlagen für Buttonmaschinen bietet der BEAK allerdings auf seiner Website zum Herunterladen an. Und am Montag will er auch noch über seine Facebookseite ein Bild zum Teilen in den sozialen Medien verbreiten. Wer dort übrigens Selfies von sich mit Button am Arbeitsplatz oder anderswo hochlädt, kann ein Duden-Lernpaket für die eigene Kita gewinnen. Für ein Dankeschön bekommt man eben oft etwas zurück.
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Dieser Text ist zuerst im neuen Tagesspiegel-Newsletter für Marzahn-Hellersdorf erschienen, den wir Ihnen einmal pro Woche zusenden. Den Newsletter von Ingo Salmen können Sie ganz unkompliziert und einfach bestellen unter leute.tagesspiegel.de.