Namen & Neues

250 Ladelaternen für E-Autos schon im Winter

Veröffentlicht am 11.06.2019 von Benjamin Reuter

250 Ladelaternen für E-Autos schon im Winter. Vorreiter für Elektromobilität in Deutschland – dazu wird ab Ende des Jahres auch Marzahn-Hellersdorf gehören. Dann werden im Bezirk 250 Straßenlaternen zu Ladestationen für Elektroautos umgerüstet sein. Bedeutet konkret: Jeder, der ein E-Auto hat und ein passendes Kabel, der kann seinen Stromer an den Laternen am Straßenrand laden. Bisher gibt es die Ladelaternen in großer Zahl nur in London. Wir hatten schon im Januar über das Projekt des Konsortiums „Neue Berliner Luft“ berichtet.

Inzwischen gibt es einige neue Informationen zu dem Projekt, die ich Ihnen nicht vorenthalten will. Nach den ersten 250 Ladepunkten kommen 2020 noch einmal 250 hinzu. Wo die stehen, darüber sollen auch die Anwohner mitentscheiden können. Und: Interessierte können sich für eines der Kabel bewerben, die zum Laden gebraucht werden. Um ein Kabel zu bekommen, braucht man nur einen guten Grund, wie die Sprecherin des Projekts, Alexa Thiele, am Telefon erklärt: Entweder man hat ein E-Auto oder plant, sich eines anzuschaffen. In Marzahn-Hellersdorf leben oder arbeiten sollte man auch. Die Kabel gibt es gratis. Interessiert? Dann hier entlang.

Die Kabel sind im Übrigen wahre Technikwunder: In ihnen versteckt sich ein mobiler Stromzähler, der in Echtzeit die getankte Strommenge registriert und beim Stromversorger des Kabelbesitzers die Kosten abrechnet. Welche Laternen im Bezirk genau umgerüstet werden, ist allerdings noch nicht bekannt. Auch ob die Parkplätze an den Laternen nur für E-Autos reserviert werden oder auch offen für Verbrenner sind, entscheidet der Bezirk zu einem späteren Zeitpunkt.

Was Thiele aber schon jetzt garantiert: „Im Bezirk wird wegen der Ladelaternen nicht das Licht ausgehen.“ Tatsächlich scheint es bei manchen Bewohnern diese Sorge zu geben. So schrieb uns ein Leser des Newsletters kürzlich: „Es kommt da eine Menge Stromverbrauch auf Marzahn/Hellersdorf zu. Ein VW z.B. verbraucht 7kW beim Über-Nacht-Laden. Das wären dann schlappe 7 Gigawatt nur bei 1000 Laternen (…) Wer seinen E-Hobel (…) an diesen Anschlusspunkten lädt, belastet die E-Werke ganz schön.“

Der Teufel steckt hier, wie häufig, im Detail: Tatsächlich wären es 7 Megawatt, wenn 1000 Autos gleichzeitig laden und nicht Gigawatt, wie Thiele sagt. Um die Zahlen einzuordnen: 7 Gigawatt leisten vier mittelgroße Atomkraftwerke in der Stunde; 7 Megawatt drei durchschnittlich große Windräder. Thiele verweist auch auf die Aussage des Chefs der Stromnetz Berlin GmbH im Tagesspiegel: Der sieht selbst bei 250.000 E-Autos in Berlin keine Gefahr für das Stromnetz der Stadt. Von dieser Zahl ist Berlin jedenfalls noch weit entfernt.  Benjamin Reuter
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Diesen Text haben wir als Leseprobe dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für den Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf entnommen. Den kompletten Bezirksnewsletter, den wir Ihnen einmal pro Woche schicken, können Sie ganz unkompliziert und kostenlos bestellen unter leute.tagesspiegel.de.

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