Kiezgespräch

Veröffentlicht am 18.12.2018 von Ingo Salmen

Brände, Feinstaub, Verletzte: Neben Raclette, Sekt und Seligkeit sind auch das die Stichworte, die jedes Jahr die Silvesternacht in der Hauptstadt prägen. Nirgendwo wüsste man das besser als in Biesdorf: In der Rettungsstelle des Unfallkrankenhauses herrscht zum Jahreswechsel immer Hochbetrieb. Vergangenes Mal wurden allein in der Rettungsstelle 21 Bölleropfer behandelt, fünf Patienten hatten „schwere Amputationsverletzungen“, die Chirurgen operierten die Nacht durch. Berlinweit rückte die Feuerwehr zu 1580 Einsätzen aus, knapp 400 Brände musste sie löschen. Es gab auch 57 Angriffe auf Fahrzeuge von Rettungskräften und Polizei.

Weil diese krassen Zahlen längst der Normalfall sind, holt uns auch in diesem Jahr wieder eine Dauerbrenner-Debatte ein: „Macht endlich Schluss mit dem Silvester-Geballer!“, fordert mein Kollege Stephan Wiehler in seinem Kommentar im Tagesspiegel vom Wochenende. „Muss sich die Stadt einmal im Jahr unbedingt in einen Kriegsschauplatz verwandeln?“ Andere Städte hätten längst Böllerverbote erlassen. Doch die rot-rot-grüne Koalition in Berlin habe nur sehr zahm ein paar Einschränkungen für die Hauptstadt auf den Weg gebracht. „Berlin kapituliert vor den privaten Pyromanen“, schreibt Kollege Wiehler. Die Grünen in Marzahn-Hellersdorf haben immerhin am Montag dazu aufgerufen, in diesem Jahr auf Böller zu verzichten. Man muss diese Forderungen nicht teilen, aber vielleicht kommen sie doch rechtzeitig, um etwas umsichtiger mit Mitmenschen und Umwelt umzugehen. Es ist die letzte Chance in diesem Jahr – und zugleich die erste im neuen.

Gute Nachrichten kommen wenigstens aus Hellersdorf. Wochenlang musste die Freiwillige Feuerwehr dort, wie berichtet, mit einem Leihwagen auskommen. Seit Montag verfügen die Kameraden wieder über ihre beiden eigenen Löschfahrzeuge, nachdem beide durch den TÜV gekommen sind. Damit sind sie für den Jahreswechsel gut gerüstet. In der Vergangenheit sah es besser aus: Da waren in jener Nacht immer alle drei Fahrzeuge mit Freiwilligen besetzt. Doch das dritte ist in diesem Jahr bekanntlich ersatzlos gestrichen worden. Hoffentlich kommen sie diesmal auch gut ohne dieses aus.

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