Namen & Neues
Einsame Tote sollen zentrale Trauerfeier bekommen
Veröffentlicht am 05.06.2019 von Julia Weiss
Sie haben niemanden, der am Lebensende um sie trauert – Verstorbene ohne Angehörige. In Mitte gibt es besonders viele Menschen, die „ordnungsbehördlich bestattet“ werden. Das heißt, sie haben niemanden, der finanziell für ihre Beerdigung aufkommt. Für den Bezirksverordneten Felix Hemmer (FDP) ist das aber nicht nur eine Frage des Geldes. „Jeder Tote hat es verdient, dass man um ihn trauern kann“, sagt er. Bisher laufen die Bestattungen wenig feierlich ab. Die Toten werden zwar eine halbe Stunde aufgebahrt, aber es gibt keine Musik, keine Rede und keine Trauernden. Weil sich das Bezirksamt die Kosten für individuelle Trauerfeiern nicht leisten kann, soll den Toten nun zumindest einmal im Jahr zentral gedacht werden. Das hat die BVV beschlossen.
Hunderte Tote sollen nun bald würdevoller verabschiedet werden. Im vergangenen Jahr gab es 376 „ordnungsbehördliche“ Bestattungen. Hemmer, dessen Fraktion den Antrag eingebracht hat, wurde bereits von Bürgern angeschrieben, die sich solch eine Trauerfeier wünschen. „Es könnte eine freie Rede gehalten werden, Musik spielen, vielleicht könnte man auf ein paar Biografien eingehen“, sagt er.
Beim Bezirksamt stößt er damit auf offene Ohren. „Wir werden den Vorschlag der BVV beherzt aufgreifen“, sagt Sozialstadtrat Ephraim Gothe (SPD) auf Nachfrage des Tagesspiegels. „Wir sind zuversichtlich, noch in diesem Jahr eine solche Trauerfeier durchführen zu können.“