Intro

von Madlen Haarbach

Veröffentlicht am 09.05.2018

vergangenen Samstag wäre Karl Marx 200 Jahre alt geworden. Zufällig (oder nicht?) wurde zwei Tage zuvor der zweite Abschnitt der nach ihm benannten Straße in Neukölln eingeweiht – in der sich parallel, in der Karl-Marx-Straße 1, wohl auch das kleinste, häufig übersehene Abbild Marx’s in Berlin befindet (digitalkosmonaut.com, siehe Kiezkamera),  gleichzeitig wohl auch das einzige im West-Berliner Straßenbild. (Die Wände diverser Studenten-WGs und Studi-Cafés an der FU Berlin ausgenommen.)

Was Marx wohl von der Neugestaltung „seiner“ Straße gehalten hätte? Ihm hätte auf jeden Fall gefallen, dass alle Bauarbeiten offenbar streng dem Plan folgten. Dass etwa die aufgepinselten, gestrichelten Radfahrstreifen mittlerweile aus sicherheitstechnischen Aspekten längst als überholt gelten, ja von einigen Expert*innen sogar als gefährlicher als gar keine Radfahrstreifen eingeschätzt werden, spielt in dem nun eröffneten Abschnitt erst einmal keine Rolle. Und so zeigt sich bereits am Tag der Eröffnung das, nun ja, erwartete Bild: Vor lauter Falschparkenden ist der Streifen kaum mehr zu erkennen (Twitterbeweis 1, Twitterbeweis 2, Twitterbeweis 3, etc.). Die eigentlich geplanten Protected Bikelanes, baulich durch Poller abgetrennte Radfahrstreifen, scheiterten offenbar zunächst am Brandschutz – werden aber eventuell, vielleicht, hoffentlich nachträglich installiert.

Während die Autofahrenden sich also über viele neue Parkplätze freuen, diskutierten Bezirksbürgermeister Martin Hikel, ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork, Constanze Siedenburg von der Senatsverwaltung für Verkehr und Yvonne Hagenbach vom Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln am gleichen Abend über die Situation der Radfahrenden im Bezirk. Was alles geht, was alles nicht geht (Spoiler: fast nichts) und woran es hapert, lesen Sie unter „Namen & Neues“.

Bevor wir zu den schlechten Nachrichten kommen, geht’s erstmal um etwas Süßes. Frau hat ja einen Ruf als Marx… äh Marzipanexpertin zu verteidigen.

Madlen Haarbach ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Sie freut sich über Kritik, Anregungen und Tipps bei Twitter oder per E-Mail.

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