Kultur

Blub im Buch

Veröffentlicht am 26.02.2020 von Nina Breher

Fotograf Harf Zimmermann nahm sich der ehemaligen Badewelt künstlerisch an.

Erinnern Sie sich noch an das Blub? Das „Berliner Luft- und Badeparadies“ in Berlin-Britz gammelt seit seiner Schließung 2005 vor sich hin. Jetzt erhält das einst beliebte Spaßbad im Süden von Neukölln mit dem Buch „The Sad-Eyed Lady“ eine späte Ehrung: Der Berliner Fotograf Harf Zimmermann (Website), Mitgründer der Ostkreuz-Fotoagentur, hat die Ruine dreieinhalb Jahre lang begleitet. Es sei für ihn „wie eine Sterbebegleitung“ gewesen.

Mit einem Assistenten, einer Kamera, einem Stativ und einem schwarzen Tuch über dem Kopf fing Zimmermann die Stimmung auf dem Areal von 2015 bis 2019 immer wieder ein. So entstanden die analogen Großformat-Bilder. Der Bildband hat sechs Kapitel, denen er selbst geschriebene, poetische Texte vorangestellt hat. Mit dieser Kombination aus Bild und Text, sagt Zimmermann, wolle er „das allmähliche Sterben des Ortes ansehbar machen.“ Auf den Bildern ist zu sehen, wie die Natur – und auch Menschen, die dort Graffitis und andere Spuren hinterlassen – sich das Areal allmählich zurückholen. Wenn er einen Ort fotografiert, finde Zimmermann immer etwas, woran er „etwas begreife.“ Bei der Arbeit im ehemaligen Blub habe er begriffen: Auch wenn Ruinen oft Sehnsuchtsorte seien, gebe es doch welche, „mit denen es nicht weitergeht. Es gibt nichts romantisches daran, kein nachher.“ Das, sagt Zimmermann, spiegele die aktuelle „Stufe der Zivilisation“ wider: „Sie neigt dazu, alles zu verschlingen.“

Der Bildband ist eine Auftragsarbeit für die Besitzer der Immobilie. Das Unternehmen sei an Zimmermann „herangetreten um zu dokumentieren, was er vorgefunden hat, und wollte daraus ein Buch machen. Ich hatte volle künstlerische Freiheit.“ Bald will die H’Group hier 450 Wohnungen bauen. Das Bezirksamt sagte auf Nachfrage, der Bauantrag sei aktuell in Bearbeitung, „die Abrissarbeiten dürften unabhängig davon auch schon jetzt stattfinden.“ Die letzten Überreste des Blub könnten also jederzeit verschwinden. Bis es so weit ist, zieht die Ruine wohl weiterhin Neugierige an (obwohl die Polizei davor warnt) – und auch Vandalismus. Infos zu „The Sad-Eyed Lady“, erschienen im Steidl Verlag, finden Sie hier. – Text: Nina Breher

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