Namen & Neues

Karte analysiert die Verteilung von Parkplätzen in Nord-Neukölln

Veröffentlicht am 07.04.2021 von Madlen Haarbach

Wahlneuköllner und Stadtgeograph Alex Seidel ist wohl das, was man einen Datenliebhaber nennen könnte: Im Juli hat er meinem Kollegen David Joram bereits erzählt, wie er mit Hilfe der Open-Streetmap-Community die Parkplätze rund um die Hermannstraße kartiert hat (NL vom 8. Juli 2020). Mittlerweile ist das Projekt gewachsen und umfasst fast den gesamten Norden des Bezirks: Auf einer digitalen Karte haben Seidel und weitere Datenentusiast:innen erfasst, wie viele Parkplätze für die in Neukölln gemeldeten Autos zur Verfügung stehen. Zunächst ging es um die Frage, wie viele Autos unter jeder Adresse etwa gemeldet sind: Seidel erfragte Daten des Amtes für Statistik, etwa die Anzahl gemeldeter Erwachsener und zugelassener Fahrzeuge (wozu auch gewerblich genutzte zählen). Über OpenStreetMap (eine Art Wikipedia für Karten, wie Alex sagt) und weitere öffentlich zugängliche Quellen konnten sie die Daten auf die einzelnen Häuser herunter brechen. Wie genau das funktioniert, erklärt Alex Seidel in diesem Blogpost zur Methodik – oder noch detaillierter im Methoden- und Ergebnisbericht. Neben öffentlichen Parkplätzen berücksichtigt das Projekt auch private Parkflächen.

Und was kam dabei nun heraus? Im Durchschnitt gibt es pro zugelassenem Fahrzeug im Umkreis von 350 Metern 1,08 verfügbare Parkplätze – sofern man nur das öffentliche Straßenland zählt, reduziert sich die Zahl auf 0,81. Allein in den Nord-Neuköllner Wohnquartieren nehmen Parkstreifen im öffentlichen Straßenraum Seidels Berechnungen nach eine Fläche von insgesamt 327.000 Quadratmetern in Anspruch. Das entspricht 19 Prozent des öffentlichen Verkehrsraums – und 4,4 Prozent der Gesamtfläche. Zur Vorstellung: Das ist etwa die Fläche von 46 Fußballfeldern.  Dazu kommen Parkflächen etwa in Tiefgaragen mit weiteren rund 171.000 Quadratmetern (2,2 Prozent der Gesamtfläche).

Insgesamt zählt Seidel für Nord-Neukölln über 27.000 Parkplätze im öffentlichen Straßenraum plus weitere knapp über 12.000, die dauerhaft für Anwohner:innen zum Parken geeignet sind, also etwa auf Mieter:innenparkplätzen oder in Tiefgaragen. Dazu kommen noch weitere rund 8000 Parkplätze für Mitarbeiter:innen und Kund:innen sowie knapp 430 ungenutzte Stellplätze, etwa in leerstehenden Tiefgaragen.

Ein Blick auf die Karte zeigt aber auch: Die Parkplätze sind nicht gleichmäßig über den Ortsteil verteilt. Während es in einigen Wohngebieten, etwa im Richardkiez, im Rollbergkiez und am Rand des Tempelhofer Feldes, demnach mehr Parkplätze als Autos gibt, sieht es vor allem rund um den Bahnhof Hermannstraße, die Sonnenallee und in der Weißen Siedlung andersherum aus. Den größten Flächenverbrauch durch parkende Fahrzeuge im öffentlichen Raum gibt es demnach übrigens rund um die Wissmannstraße, und zwar ganze 27 Prozent.

Das Projekt sei insgesamt ein zivilgesellschaftliches, sagt Alex Seidel. Und weiter: „Ein Anliegen des Projekts ist nicht nur, ’Zahlen zu berechnen’, sondern auch die dahinter stehenden Daten und Ergebnisse zur freien Verfügung zu stellen, da das Thema ’Auto-Parkplätze’ in den aktuellen verkehrspolitischen Debatten ja immer wieder eine wichtige Rolle spielt.“ Ganz nebenbei zeigt das Projekt auch: Die Daten sind da, man muss sie nur zu nutzen wissen. Und: Wer einen Parkplatz sucht, wird ihn in Neukölln auch finden. Manchmal muss man nur weiter als 350 Meter laufen.