Kiezgespräch

Veröffentlicht am 04.10.2018 von Christian Hönicke

Helmholtzkiez: Wohin mit den Jugendlichen? Vor kurzem hatten wir mit dem 17-jährigen Johann gesprochen. Er beklagte sich im Interview (siehe hier) darüber, dass es im Helmholtzkiez in Prenzlauer Berg keinen Ort für Jugendliche gibt. In Ermangelung eines geeigneten Clubs träfen sich die Jugendlichen auf dem Star-Platz, wo sie aber immer wieder von Nachbarn angezeigt würden. Der Platz sei zudem bei schlechtem Wetter im Winter keine Option. Daraufhin meldete sich im Namen anderer Anwohner ein Leser, der lieber anonym bleiben möchte. Die Situation der Jugendlichen im Helmholtzkiez sei in der Tat ein „heißes Eisen“. Er äußert grundsätzlich Verständnis für den „unbedingt gerechtfertigten Wunsch“ von Johann nach einem Platz für Jugendliche. Er wolle auch nicht allgemein „die“ Jugendlichen kritisieren. Mit einer „großen, vergnügten, immer wieder phantasievollen Gruppe“ hätten die meisten Anwohner kein Problem.

Im Gegensatz dazu stehe aber eine kleine Gruppe „nächtlicher Störer“, die „mit Gebrüll, mit Alkohol bis in die Nacht hinein das Wohnen auch bei geschlossenen Balkontüren und Fenstern massiv beeinträchtigt.“ Der Anwohner betont: „Der Star-Platz ist für alle da. In diesem dichten Wohngebiet haben wir allesamt keine Gärten, genießen aber auch gerne nahebei frische Luft unter Bäumen.“ Man wolle nun erneut Kontakt mit der Mehrheit der Jugendlichen suchen. „Wünschenswert wäre ein gesprächsoffenes Miteinander, bei erneuten Krisensituationen evtl. mit Vertretern der Jugendlichen selbst, der Schulen, des Bezirks (Polizei, Streetworker?) und Anwohnern.“

Das von Johann gewünschte Jugendzentrum im Helmholtzkiez ist als Lösung allerdings nicht in Sicht. So ein Zentrum angesichts des Flächenmangels in einer der Kiezschulen einzurichten, sei angesichts des Personalmangels und der wachsenden Schülerzahlen „illusorisch“, sagt Sören Benn. Der linke Bezirksbürgermeister kennt das Problem, doch die einzig realistische Lösungsmöglichkeit sei, „wenn sich die Jugendlichen mit ihren Freizeitbedürfnissen in den vorhandenen Einrichtungen artikulieren“. Sie sollten etwa mit dem „W24“ in der Wichertstraße Kontakt aufnehmen. „Vielleicht können die Mitarbeiter*innen die Bedürfnisse der Jugendgruppe irgendwie berücksichtigen.“

Benn nennt noch weitere Anlaufpunkte für Jugendliche in der Umgebung: den Sportjugendclub in der Lychener Straße und das Medienzentrum Mezen in der Hosemannstraße. Das sind sicher ehrenwerte Einrichtungen für zielgerichtete Aktivitäten, aber eben keine Plätze zum ziellosen Chillen und Herumspinnen, die Jugendliche auch brauchen. Benn empfiehlt ihnen deshalb, sich an den Kinder- und Jugendhilfeausschuss oder an die Stelle für Kinder- und Jugendbeteiligung zu wenden. Das hört sich vernünftig, aber auch nach viel Arbeit an – zumal, wenn man das langjährige Gerangel um andere Jugendclubs wie „Klothilde“ im Hinterkopf hat. Aber wenn die Jugendlichen jetzt loslegen, könnten sie vielleicht zumindest einen Club für ihre Kinder herausholen.

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