Kiezgespräch

Veröffentlicht am 07.10.2021 von Christian Hönicke

„Ausflugs-Bus“ für Innenstädter in den Pankower Norden soll Grünflächen in der Stadt entlasten. Ein schöner Sonntagsausflug in die Pankower Natur – dazu brauchen Innenstädter bisher ein Auto oder trainierte Beine. Künftig sollen sie mit einer neuen „Wochenend-Ausflugs-Buslinie“ günstig und komfortabel in die nördlichen Landschaftsschutzgebiete kommen (und wieder zurück). So könnten autolose Nachbarn bald nicht nur raus zum Wannsee, sondern auch raus nach Arkenberge (wo ja eine touristische Erholungslandschaft geplant ist).

Das wünscht sich jedenfalls die Bezirksverordnetenversammlung. Sie beschloss, das Bezirksamt solle sich „bei den zuständigen Stellen“ dafür einsetzen, dass eine solche Linie künftig am Wochenende und an Feiertagen zwischen City und dem ländlichen Pankow verkehrt. [Der Text stammt aus dem aktuellen Pankow-Newsletter. Den können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Konkret soll der Ausflugs-Bus dann „den innerstädtischen Bereich Pankows, zum Beispiel vom Pastor-Niemöller-Platz aus, besser mit dem Botanischen Volkspark, mit den Landschaftsschutzgebieten und dem Gebiet Arkenberge im Pankower Norden“ verbinden. Perspektivisch soll „spätestens mit der Eröffnung des Haltepunkts Blankenfelde“ der Heidekrautbahn auch eine tangentiale Verbindung in Richtung Französisch Buchholz eingerichtet werden.

Der Beschluss geht auf einen Antrag der Grünen zurück, die sich darüber ärgerten, dass „das Angebot aus Wanderwegen, Umwelt- und Naturschutzbildung, Gastwirtschaft und Kultur“ im Norden fast nur Autonutzern offen stehe. Gerade an Sonntagen gebe es eine „hohe Anzahl an parkenden Autos“ etwa an der Bucher Straße, der Hobrechtsfelder Chaussee oder auch der Schönerlinder Chaussee. „Dabei werden Äcker und das Straßenbegleitgrün durch das Gewicht der Autos verdichtet und Natur zerstört.“

Das sei kein Wunder, so die Grünen, denn „die bestehenden Linien sind nicht darauf ausgerichtet, die innerstädtisch wohnenden Menschen Pankows in einer angemessenen Zeit in ihr Zielgebiet zu bringen“.  So komme es, „dass sich die privilegierten Besitzer*innen eines Autos an freien Tagen in den Pankower Norden aufmachen und diejenigen ohne Auto auf den wenigen Grünflächen der innerstädtischen Bereiche ’stapeln'“.

Das soll sich durch den Ausflugs-Bus ändern – gleichzeitig soll das Bezirksamt nach dem Willen der BVV „das wilde Parken“ rund um die Natur- und Landschaftsschutzgebiete „konsequent ahnden“. Grünes Licht für die neue Arkenberge-Linie müssten übrigens die Senatsverkehrsverwaltung und die BVG geben.

Einen Sommerbus nach Norden ist übrigens gar keine so abwegige Idee. Den gab es früher schon mal – er gehörte zu den Ost-Berliner Verkehrsbetrieben und fuhr jahrelang zwischen April und September immer samstags und sonntags ab dem U-Bahnhof Vinetastraße über Blankenfelde, Schildow, Mönchmühle und den Summter See nach Zühlsdorf (Fahrzeit: 39 Minuten, bis Schildow nur 16). Nach Norden ging’s ab 7 Uhr alle Stunde, zurück dann bis 22 Uhr. – Text: Christian Hönicke

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