Intro

von Gerd Appenzeller

Veröffentlicht am 20.03.2019

was kostet es eigentlich, wenn ein Privatmensch auf seinem Grundstück einfach alte, geschützte Bäume fällt? Diese Frage hatte ich ganz unschuldig-neugierig an das Reinickendorfer Bezirksamt gestellt, nachdem nach Weisung des Senats auf dem Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Heilstätten zahlreiche alte Bäume gefällt worden waren, um Platz für das zu bauende Ankunftszentrum für Flüchtlinge zu schaffen. Mich hatte die Rigorosität der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wirklich irritiert, denn dass der Rot-Rot-Grüne Senat, der sich doch immer so umweltbewusst gibt, dutzende, zum Teil hundert Jahre alt Bäume, einfach platt macht, empfand ich schon als ziemlich dreist. Aus dem Rathaus Reinickendorf, das an diesem Umweltfrevel nicht nur schuldlos ist, sondern ihn noch zu verhindern suchte, kam bezüglich der denkbaren Strafe eine klare Antwort: Sollte ein geschützter Baum ohne Genehmigung auf einem Privatgrundstück gefällt werden, kann dieses Vergehen mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Aber: Der Senat hatte eine Genehmigung. Er hatte sie sich bei der Umweltverwaltung geholt, die meinte, nicht anders handeln zu können, und den Kollegen von der Stadtentwicklung aufgab, Ausgleichszahlungen für die gefällten Buchen und Spitzahornbäume zu leisten. Noch etwas lernte ich dabei: Eigentlich wurde hier kein Wald gefällt. Er wurde umgewandelt. Sie finden das irre? Ich auch. Mehr dazu weiter unten im Newsletter unter „Namen & Neues“.

Gerd Appenzeller, geborener Berliner, ist seit 24 Jahren Mitglied der Tagesspiegel-Redaktion, war Chefredakteur und Herausgeber. Als er 1994 mit seiner Familie in die alte Heimat zurückkam, zog er nach Hermsdorf, denn dort hat er auch seine Kindheit verbracht und dort leben auch sein Bruder und dessen Frau. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an gerd.appenzeller@tagesspiegel.de