Namen & Neues

Pendlerverkehr ausgesperrt

Veröffentlicht am 20.05.2020 von Gerd Appenzeller

Pendlerverkehr ausgesperrt. Dies ist nach meinem Wissensstand ein Novum in den Beziehungen zwischen Berlin und Brandenburg. Zum ersten Mal wehren sich nicht nur die Menschen in einem Wohngebiet gegen die massive Belästigung durch den morgendlichen und abendlichen Autoverkehr der Pendler – sie erhalten auch Unterstützung durch das Bezirksamt.

Im Nordosten des Bezirks Reinickendorf wird es an der Grenze zwischen dem Ortsteil Hermsdorf und dem brandenburgischen Glienicke im Kreis Oberhavel demnächst zu einer mehrmonatigen Unterbrechung des morgendlichen und abendlichen motorisierten Pendlerverkehrs kommen. Die BVV des Bezirks votierte am Mittwochabend der vergangenen Woche ohne Gegenstimmen bei Enthaltung der SPD für einen Test mit so genannten Modalfiltern. Die Bewohner des Waldseeviertels hatten sich seit Monaten in einer Bürgerinitiative gegen die wachsende Belästigung durch die Berufspendler gewehrt, die auf zwei Nebenstraßen durch dieses Wohngebiet den Stau auf der Bundesstraße 96 zu umfahren suchten. Wenn Sie sehen wollen, um welches Gebiet es sich handelt – hier ist ein Hinweis auf eine Luftaufnahme.

Mehrere Versuche des Bezirks, durch Geschwindigkeitsbeschränkungen und Straßenverengungen den überbordenden Verkehr in den Griff zu bekommen, hatten sich als erfolglos erwiesen. Mit den Modalfiltern, die den Autoverkehr durch Aufstellung von großen Blumenbehältern verhindern, soll nun erprobt werden, wie sich die Verkehrssituation verändert und ob die Pendler auf die B 96 ausweichen. Gegen die Sperrung des Autoverkehrs hatte sich eine weitere Bürgerinitiative gebildet, die den Bau neuer Mauern zwischen Berlin und Brandenburg und die Unterbindung des nachbarschaftlichen Verkehrs befürchtet.

Die Stimmung in der Bürgerschaft hatte sich im Waldseeviertel zunehmend aggressiv entwickelt. Angesichts dessen war die große Mehrheit in der BVV für den Versuch überraschend. Eine Rolle mag dabei gespielt haben, dass dieses Problem – das ja nicht nur in Hermsdorf existiert – eigentlich nur durch eine gemeinsame Verkehrsplanung beider Länder gelöst werden könnte. Die aber existiert nicht, wie auch die zuständige Bezirksstadträtin, Katrin Schultze-Berndt, CDU, in der BVV-Sitzung in ihrem Bericht zu Lage bedauerte.

Linktipp: Vor exakt 3 Monaten berichtete ich erstmals über die „Modalfilter“, also Blumenkübel. Hier die Debatte im Reinickendorf-Newsletter vom Tagesspiegel. – Text: Gerd Appenzeller
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