Intro

von André Görke

Veröffentlicht am 29.05.2018

was wurde eigentlich aus der Hakenkreuz-Glocke? Die hing in der Wichernkirche in Hakenfelde, ehe im Dezember 2017 ihr letztes Stündlein schlug und seitdem …. tja. Und seitdem?

Schweigen geht gar nicht. Ein halbes Jahr ist rum. Was also tun mit dem Ding – einschmelzen, verbuddeln, vergessen? „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat – Wichernkapelle Spandau 1934“, steht auf der Glocke, daneben das 20 Zentimeter große Hakenkreuz. „Die Gemeinde wird die Geschichte aufarbeiten: Wer wusste von dem Hakenkreuz? Und wer hat darin kein Problem gesehen“, erzählt uns Marion Gardei. Die Pfarrerin ist die Erinnerungsbeauftragte der evangelischen Landeskirche. Die Glocke befinde sich auf Kirchengelände und könnte im Museum gezeigt werden, sagt sie: „Da können Konfirmanden hingehen, diskutieren – Debatte ist wichtig!“ Und das passiert aktuell, erzählt uns Sigrid Jahr, Pfarrerin der Wichernkirche. Und zwar „im Arbeitskreis zur Aufarbeitung der Gemeindegeschichte“.

Zitadelle will die Glocke. Welch Zufall: Erst letzte Woche waren die Chefs der Zitadelle in der Wichernkirche in Hakenfelde. „Wir sind sehr daran interessiert, die Glocke im Stadtmuseum als Dauerleihgabe zu zeigen“, erzählt uns Ralf Hartmann, der mit Museumsleiterin Urte Evert eine Geschichtsexpertin an der Seite hat. Die Zitadelle kann die Nazi-Vergangenheit des Bezirks gleich mit aufarbeiten, denn: „Auch die Zitadelle ist ein militärischer Ort, war es auch zur Nazi-Zeit, doch die jüngere Vergangenheit spielt in den Ausstellungen eine viel zu geringe Rolle – eine Vitrine reicht nicht aus.“ Stimmt.

André Görke ist stellvertretender Berlin-Chef beim Tagesspiegel und groß geworden in Spandau. – spandau@tagesspiegel.de

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