Kiezkamera

Veröffentlicht am 29.09.2020 von André Görke

Das Kunstwerk von Heidi Hetzer ist endlich da. Tipp für einen Wochenendausflug: Besuchen Sie den Dorf-Friedhof mit der Kirche von Gemeindepfarrer Mathias Kaiser (1300 Mitglieder) in Berlin-Gatow. Am Hinterausgang vor der Backsteinmauer befindet sich das Familiengrab von Heidi Hetzer. Die Opel- und Rennfahrer-Legende war im April 2019 im Alter von 81 Jahren gestorben. Im Beet stecken eine Flasche „Berliner Weiße“ und ein Pokal als letzter Gruß – hier der Fotobeweis.

Der Grabstein selbst blieb lange leer. Dort sollte ein Kunstwerk entstehen. „Ein Guss aus Pokalen, zusammengepresst wie ein Auto aus der Schrottpresse – so hat sie sich ihren Grabstein gewünscht“, schrieb Künstler Carsten Tarrach. Im Juli hatte ich Ihnen das Konzept, ein Videos und Fotos hier im Spandau-Newsletter gezeigt.

Das neue Foto oben entstand jetzt in Gatow. Ohne viel Bohei wurde das 100-Kilo-Kunstwerk aufgestellt. Meine Kollegin Elisabeth Binder war dabei: Hier ist ihr Text. „Die Familie wollte keinen Rummel“, erzählt Binder. Auf dem Foto ist Dylan Mackay zu sehen, der Sohn. „Als wir Kinder waren, kam sie mit immer neuen Pokalen an“, erzählte Tochter Marla Breuss. Manchmal seien Damen-Pokale darunter gewesen, die ihr nicht so viel bedeuteten. „Sie wollte einen Pokal nicht nur haben, weil sie eine Frau war.“ Die Tochter erinnerte sich übrigens daran, wie Heidi Hetzer ihr erstes Enkelkind feierte: Mit einer Werbetafel am Autohaus an der Stadtautobahn – „Heidi wird Oma, jetzt gibt’s Kindergeld.“

Und warum noch mal Gatow? Die Familie war mit der kleinen Heidi im Krieg aus dem zerbombten Charlottenburg nach Gatow geflüchtet und blieb fünf Jahre. „Hier gab es Natur, Bauern, Felder, Pferde. Eine wunderschöne Welt im Gegensatz zum zerschossenen Berlin“, hat sie mal erzählt. Hetzer besuchte als Kind die Grundschule am Windmühlenberg und fuhr später im Oldtimer mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, SPD, durchs Dorf – hier zwei Fotos.

Gatow in Bildern: Die große Tagesspiegel-Fotostrecke. – André Görke
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