Namen & Neues

"Ich bin genervt": Die Künstlerin und der Postbrunnen

Veröffentlicht am 14.05.2019 von André Görke

Bitteschön, hier der nächste Ärger. Es geht um den Postbrunnen von Künstlerin Ursula Sax, der 1980 vor der Post-Zentrale in Berlin-Spandau aufgestellt wurde – hier ein Foto aus plätschernden Tagen. Von ihr stammt übrigens auch das gelbe 120-Meter-Kunstwerk „Looping“ am Messegelände (Foto). Das Kunstwerk in Spandau ist eine Nummer kleiner, aber nicht weniger bekannt – seit 40 Jahren steht es an Spandaus Nord-Süd-Straße, prominent zwischen ICE-Bahnhof und Havel. Ursula Sax ist mittlerweile 83 Jahre alt und ziemlich erschöpft. Als wir sie anrufen, sagt sie leise ins Telefon: „Ich bin von der Debatte um den Postbrunnen leider genervt und enttäuscht.“

Im Herbst 2019 wird die Postbrache planiert; 2020 soll Baustart sein fürs neue 100-Mio-Viertel. Aber was passiert mit dem Brunnen, der da einsam rumsteht? Der Schrottplatz ist tabu. Politiker wie Emilio Paolini (Wiss) hatten 2017 schöne Simulationen gebastelt, die den Postbrunnen an der Heerstraße oder am Ziegelhof zeigen; Leser schlugen Spree Ecke Havel als neuen Standort vor. Und Kulturstadtrat Gerhard Hanke, CDU, sagte hier energisch: „Der Postbrunnen ist Stadtgeschichte, seit 40 Jahren steht der dort. Das Kunstwerk muss der Altstadt erhalten bleiben.“ So, so. Nur wo?

„Hat keiner eine würdige Idee für den Postbrunnen?“ 100-Mio-Investor Agilolf Bachner hatte im Spandau-Newsletter gesagt, dass er sich mit der Künstlerin treffen will – er hat das Kunstwerk geerbt. Und wie war’s so, Frau Sax? Eher so lala. Künstlerin Ursula Sax wirkte hinterher jedenfalls ganz geknickt am Telefon: „Der Mann hatte leider auch keine Idee. Ich spürte seine Unlust – und ich habe an dem Tag zu wenig Leidenschaft gezeigt.“ Klingt nach einer zähen Plauderei. Sax: „Ich kann den Brunnen ja nicht in meinem Atelier aufstellen. Der Brunnen funktioniert, er war teuer, er braucht einen würdigen Platz in Spandau.“ Ihr Auftraggeber war 1980 übrigens die Post selbst. „Vorgaben gab es keine für mich, nur zum Standort: Ich sollte nicht so nah ans Gebäude ran, damit der Wind das Wasser nicht auf die Scheiben weht.“ Investor Bachner fand das Gespräch übrigens hingegen „sehr angenehm“. Und bald könnte … ach, warten wir’s ab: Fortsetzung folgt im Spandau-NewsletterAndré Görke
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Diesen Text haben wir als Leseprobe dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Spandau entnommen. Den Newsletter schicken wir Ihnen einmal pro Woche zu, kompakt per Mail. Den Spandau-Newsletter können Sie unkompliziert und kostenlos bestellen unter leute.tagesspiegel.de.

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