Namen & Neues

Spandau warnt vor Verkehrskollaps

Veröffentlicht am 10.09.2019 von André Görke

Berlin-Spandau warnt vor Verkehrskollaps. Die Busse sind voll, die Bahnen sind voll, und es wird – noch voller. Spandau ist Transit-Bezirk für Pendler aus dem Brandenburger Umland. Falkensee wächst weiter. Und in Krampnitz hinter der Stadtgrenze wird ein 10.000-Leute-Viertel geplant, blöderweise erst mal ohne Straßenbahn. Vor zehn Monaten hatte ich berichtet, dass aus Krampnitz laut Senatsprognose 2200 (!) Autos zusätzlich am Tag nach Spandau strömen – macht 15 Kilometer Stau zusätzlich (Quelle: Anfrage Andreas Otto, Grüne). Dabei sind die Bundesstraßen Potsdamer Chaussee und Heerstraße jetzt schon chronisch verstopft. Der dünne Senatsplan: mehr Busse der Linie 638 zum Rathaus Spandau. Potsdam hofft, dass die Fahrgäste ab 2022 in die neue Regionalbahn RB21 zwischen Potsdam und Spandau steigen – mit Zustieg in Marquardt (siehe Newsletter Herbst 2018).

Verkehrsstadtrat ärgert sich: „Wir werden in Berlin nicht gesehen.“ Die Sorgen sind groß, die Fragen konkret. Seit zehn Monaten ist Ingmar Streese, Grüne, Staatssekretär des Senats für alle Berliner Verkehrsfragen – und damit auch für Spandau zuständig (245.000 Einwohner). Wie liefen denn so die Gespräche vor Ort? Chef in dieser Frage ist aus Bezirkssicht Frank Bewig, CDU. Er ist der Verantwortliche für die Bau- und Straßenbehörde. Doch Bewig ist verstimmt. Schön, dass sich Verkehrssenatorin Regine Günther Gedanken macht über den Irgendwann-Umbau der zehnspurigen Trasse vor dem Rathaus. „Das ist gut und richtig. Aber wir haben hier am Stadtrand noch viel mehr Verkehrsfragen“, sagte mir jetzt Bewig am Handy. „Und die drängen jetzt.“

„Wir hatten schon einen Termin…“ Frust im Rathaus. Stadtrat Bewig hatte den Staatssekretär nach Spandau persönlich eingeladen. Das war vor einem halben Jahr. „Wir hatten sogar schon mit dem Staatssekretär des Landes Brandenburg einen Termin vereinbart. Konkret vor Ort, das ist mir wichtig“, erzählt Bewig dem Spandau-Newsletter. „Der Verkehr wird am Stadtrand dichter – an der Landesgrenze nach Falkensee, an der Landesgrenze von Kladow nach Potsdam. Da geht’s auch um Straßen, den Kreisverkehr an der B2, ÖPNV-Abstimmungen. Dieses Treffen stand fest, alle hatten zugesagt. Doch plötzlich wurde das Gespräch im Sommer leider abgesagt – und jetzt warten meine Fachleute schon wieder.“ Bewig: „Ich wünsche mir mehr Interesse für die Verkehrsbelange auch für Spandau. Da habe ich das Gefühl, dass wir in Berlin nicht wirklich gesehen werden. Wir sind aber die Leute, die sich hier auskennen und am Ende bei den Bürgerveranstaltungen das erklären müssen.“

Bürgerinitiative trifft sich mit Senatsvertreter. Heute Nacht landete Post von Wolfgang Lohrer in meiner Mailbox. Lohrer gehört zur Bürgerinitiative „Verkehr Spandau-Süd“.  Leider habe Staatssekretär Ingmar Streese „wegen dringender anderer Verpflichtungen“ einen Gesprächstermin abgesagt, schicke jetzt aber in zwei Wochen seinen Abteilungsleiter nach Gatow und Kladow. Das Forderungspapier („6 Maßnahmen“) stelle ich Ihnen nächste Woche im Spandau-Newsletter vor.

Hier die Heerstraße zwischen Berlin-Spandau und Berlin-Charlottenburg. Morgens Stau in die Innenstadt, abends Stau auf dem Weg nach Hause.

Spandau und der Verkehr: „Es ist nicht zu ertragen!“ Und hier schimpft auch schon Ulrike Sommer, SPD-Chefin in Gatow und Kladow. Im neuen „Imchen“-Kiezheft (Auflage: 11.500 Stück) ärgert sie sich über unsere Newsletter-Lieblingsbaustelle an der Heerstraße („400 Tage Bauzeit für 700 Meter Radweg“). Und ganz generell: „Die Verkehrssituation im Süden ist kaum erträglich.“ Außer überfüllten Busse habe Berlin nichts zu bieten. Konkret attackiert Sommer die Verkehrs-, nee, „Klimaexpertin Regine Günther“ – also die grüne Senatorin, die zumindest in Umweltfragen hohes Ansehen in Berlin genießt. Sommer träumt von U- oder Straßenbahnlinien.

Vorbild Venedig? Es gibt den Traum vom Wassertaxi auf der Havel.

Lompscher für Wassertaxi. Diese Woche hat Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher, Linke, mit Michael Müller die Neubaugebiete in Spandau erkundet – hier ein Foto. Dolle Sache, alte Frage: Wie sollen die Leute aus den neuen Wohnungen zur Arbeit kommen? Lompscher würde die Einrichtung von Wassertaxis auf der Havel begrüßen. Ist eine aktuelle CDU-Debatte, sollte laut Rathaus-Beschluss ernsthaft geprüft werden (wie in Venedig, Istanbul, London). Wirtschaftssenatorin Ramona Pop, Grüne, muss jetzt nur noch Fördergelder finden. Sonst bildet sich glatt noch ein CDU-Linke-Bündnis in Spandau.

„Mit der U-Bahn zu Ikea“. Noch eine Verkehrsidee aus Berlin, noch mal die Linke, diesmal Franziska Leschewitz. Die plädiert für eine Verlängerung des U-Bahndamms der U2 von Ruhleben bis zur S-Bahn bei Ikea – hatte ich letzte Woche berichtet. Und siehe da: Das war die meistgelesene Nachricht des letzten Spandau-Newsletters bei Twitter, Facebook und unserer Tagesspiegel-Homepage. Sollte also niemand unterschätzen… – Text: André Görke
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Diesen Text habe ich als Leseprobe dem Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau entnommen. Den – kompletten – Spandau-Newsletter mit exklusiven Nachrichten, Tipps, Terminen und gerne auch Humor gibt es unkompliziert und kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de
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Weitere Themen im Spandau-Newsletter: +++ 135, 136, 139, N34…. BVG nennt hier alle Änderungen zum Fahrplanwechsel +++ „Niemand kam mehr rein“: Frust am Morgen in der Regionalbahn +++ Leserbriefe ohne Ende, Teil I: Wie sollte die neue Wasserball-Arena heißen (mit Resonanz aus den USA und von Thees Uhlmann) +++ Leserbriefe ohne Ende, Teil II: Wo liegt Spandaus beste Currywurst-Bude? ++++ „So sieht Spandau aus der Luft aus“: Berlins bekanntester Luftbildfotograf nimmt uns mit +++ 700-Millionen-Fragebogen: Der Bürgermeister, der neue Haushalt und ein Wunsch, der leider fehlt +++ Imchenfest, Heidekönigin, Klassik in Spandau +++ Erinnern an Mauertoten am Sacrower See +++ Hakenkreuz-Glocke ist jetzt in der Zitadelle zu sehen +++

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