Kiezgespräch
Veröffentlicht am 23.06.2020 von André Görke
Woher hat die Insel Eiswerder ihren Namen? Diese Frage stellte ich Ihnen letzte Woche, als es um Spandaus berühmteste Insel ging. Hier eine kleine Auswahl an Leserbriefen.
„Mit tatsächlichem Eis hat der Name wohl nichts zu tun – vielleicht in der letzten Eiszeit…? ? Der Name Eiswerder stammt vermutlich von der ursprünglichen Bezeichnung ‚Eichswerder‘, die sich nur über die Zeit im Sprachgebrauch etwas ‚verwaschen‘ hat“, schrieb Familie Broszat. “
„Die heutige Verwendung des Namens entspricht nicht seinem Ursprung. Eigentlich heißt die Insel wohl Eichswerder – ein Hinweis auf den dortigen Baumbestand der Inseln“, schreibt Karl-Heinz Bannasch von der Geschichtsverein „Heimatkundlichen Vereinigung Spandau“.
„Als Spandau noch eine eigene Brauerei hatte, waren auf Eiswerder die ‚Eiskeller‘ der Brauerei“, erinnert sich Henning Stanislawski.
„Auf der Insel Eiswerder wurde das Natureis gelagert, das im Winter auf der Fläche zwischen der Insel und der Zitadelle aus der Eisfläche geschnitten und im Sommer an Haushalte verkauft wurde“, berichtet Leserin Jutta Schöler. „Wir hatten eine kleine „Eiskiste“, die innen mit Metall ausgeschlagen war. Im Sommer kam täglich der „Eiswagen“ von Eiswerder zu uns nach Haselhorst und wir konnten dort „Eisstangen“ kaufen. Die waren etwa 10×10 cm und 40 cm lang. Diese Eisstangen wurden in kleinere Stücke zerschlagen und kamen in einen Behälter in die Eiskiste. „Wir kühlten dort Butter, Milch oder Wurst. Viel hatte in unserer Eiskiste nicht Platz. Ich kann mich nicht erinnern, wie lange es diese Kühlmethode bei uns gab, vermutlich bis Anfang der 60er Jahre.“
Und was sagt der Experte? Fast 30 Jahre war Andreas Kalesse Chefdenkmalpfleger in Potsdam. Er wohnt in Spandau – und gibt mir bei historischen Fragen immer wieder Tipps. Hier sein Brief.
- „Eiswerder kommt vom Eichwerder. Werder, so nennt man hierzulande Inseln und auch Halbinseln, die Havel ist voll davon. Diese Inseln waren stets mit großen und dichten Eichen bestanden und waren für die Holznutzung sehr begehrt. Die Wassernähe garantierte beste Wuchsbedingungen und der Holzdiebstahl war praktisch ausgeschlossen. Sie wurden auch oft gleichzeitig als Weideland genutzt. Der älteste kartographische Nachweis der Insel mit dichtem Baumbestand stammt etwa von 1680. Die ursprüngliche Insel Eichwerder im Tegeler See (1753 kartographischer Nachweis; 1714 schriftlicher Nachweis des Eichenbestandes) heißt heute, nunmehr mit dem Festland verbunden, Reiherwerder.
- Es gibt auch die Bezeichnung „Eichswerder“ und das wird dann im Plattdeutschen, das man hier ja sprach, ganz schnell zum „Eiswerder“, zumal wenn der Baumbestand abgeschlagen und der eigentliche Grund für die Namensgebung nicht mehr ersichtlich war.
- Es kann auch sein, dass in harten Wintern sich das Eis an der Insel aufgestaut und auf die Insel geschoben hat. Derartige Ereignisse sind selten und selten namensgebend. Die Eichenbestände auf derartigen Inseln waren dort über Jahrhunderte.“
Vielen Dank für all Ihre Briefe, Ihre Zeit, Ihren Humor und Ihr Wissen. Keiner kennt die Kieze besser als die Leute, die dort leben. Und wir alle haben jetzt eine spitzen Eiswerder-Anekdote für den nächsten Spandau-Smalltalk. – Text: André Görke
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