Unter Nachbarn

Veröffentlicht am 09.01.2018 von André Görke

Hans-Gerd Becker, 60, Uganda.

Zur Debatte um einen nach Werner Salomon benannten Platz vor dem Spandauer Rathaus (Idee: Stadtrat Gerhard Hanke, CDU) erreichte uns viel Post – dazu am Ende des Newsletters mehr. Hans-Gerd Becker schrieb uns aus Uganda. Er kommt aus Schönwalde-Glien, hat aber lange im Rathaus Spandau gearbeitet. Von 1993 bis 2015 war er Vermessungsamtsleiter im Bezirk, ist seitdem in der Entwicklungszusammenarbeit als Berater tätig („zunächst Namibia, nun Uganda“). Was er dort vermisst: seine Familie („allerdings gibt’s schnelleres Internet als in Schönwalde, da kann man einfach skypen“), vernünftiges Brot („hier nur Toastbrotvarianten“), kühles Wetter („gerade 30 Grad“) – „ansonsten kommt man hier gut klar.“

Seine Idee: ein Werner-Salomon-Damm. Und wo? „Die Ruhlebener Straße ist im Laufe der Jahrzehnte aus drei Stücken zusammengewachsen und hat ein mehr als chaotisches Hausnummernsystem.“

Das Chaos sieht so aus: Die Hausnummer 1 befindet sich an der Heidereuterstraße („Sprint“-Tankstelle) – also in der Mitte der Ruhlebener Straße. Der westliche Teil bis zum Rathaus wurde erst in den 50-er Jahren gebaut, als der Verkehr über die neue Dischingerbrücke rollte. Es gibt dort nur zwei Anlieger mit Hausnummern. – Wir haben Ihnen das mal in dieser knallbunten Grafik schnell aufgemalt (gelb: der mögliche Werner-Salomon-Damm).

Die Baustelle. „Demnächst wird aber das Postgelände gebaut – und dann wird es vermutlich die Notwendigkeit von weiteren Hausnummern geben, 650 Meter von der Nr. 1 entfernt.“ Hausnummer Nr. 0 oder Minus 15 geht aber nicht.

Die Alternative. „Anstatt nun diverse Wohngrundstücke umzunummerieren, könnte man diesen für den Verkehr wichtigen Straßenabschnitt in Werner-Salomon-Damm umbenennen – die Straße ist ja noch eine Ost-Westverbindung, wofür Salomon politisch stand.“

Der Rathaus-Vorplatz: „Was sich mit dem Namensgeber der Rathausadresse, Carl Schurz, untrennbar verbindet ist der Name Gottfried Kinkel, einer der frühen Demokraten in Preußen, um 1848/49 die Symbolfigur derer, welche eine Republik gründen wollten. Kinkel, 1850 zu lebenslanger Festungshaft verurteilt, wurde von Carl Schurz im November 1850 aus dem Zuchthaus in Spandau befreit. Der Straßenname Kinkel wurde vor 18 Jahren im Rahmen einer Straßenrückbenennung getilgt. Nun wäre es geboten, Carl Schurz und Gottfried Kinkel im Straßenbild wieder zusammen zu bringen.“

Soll Spandau Werner Salomon würdigen? Vor dem Rathaus – oder woanders? Ihre Ideen: spandau@tagesspiegel.de