Intro

von Boris Buchholz

Veröffentlicht am 14.05.2020

Donnerstagmorgen, 10 Uhr. Ich spähte über die Sandflächen und Hügel, mein Blick wanderte an Bäumen und  angrenzenden Häusern entlang – nichts, kein Erfolg. Neben mir brummte und summte es sanft, die schwarze Hybrid-Limousine der Bezirksbürgermeisterin kam zum Stehen, die Türen öffneten sich. Und dann suchten wir zu viert: Cerstin Richter-Kotowski, Öffentlichkeitsarbeiter Marcel Mattick, der Fahrer der Bezirksamts-Autos und ich versuchten auf den Weiten des Baufelds zwischen Fischerhütten- und Sven-Hedin-Straße den Container zu lokalisieren, in dem ab Montag der aktualisierte Bebauungsplan für das Grundstück der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll.

Denn auf dem Areal der ehemaligen Bezirksgärtnerei entstehen Wohnungen und Reihenhäuser. Im Süden an der Fischerhüttenstraße baut die Allgemeine Bauträgergesellschaft (ABG) aus München 16 Häuser, 113 Wohnungen (ob zur Miete oder zum Kauf ist noch unklar) und eine Kita für fünfzig Kinder. Im Norden, an der Sven-Hedin-Straße, plant die stadteigene HOWOGE den Bau von 130 Mietwohnungen, fünfzig Prozent davon sind mietpreisgebunden. Der Bauungsplan war in einer ersten Fassung schon einmal ausgelegt worden – damals wehrten sich die Anwohner dagegen, dass die HOWOGE ein sechsgeschossiges Wohnhaus bauen wollte. Später schlossen sich auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und das Stadtplanungsamt der Kritik an: Der Sechsgeschosser vertrage sich nicht mit der „städtebaulichen Begründbarkeit“ (meinen Bericht finden Sie hier). Also wurde neu geplant, aus den sechs wurden fünf Etagen, und auch die übrigen Teile des Ensembles wurden flacher. Deshalb gibt es einen neuen Bebauungsplan, deshalb müssen die aktualisierten Planungen einen Monat lang öffentlich ausgelegt werden. Aber wie legt man in der Coronakrise mit Abstandsgebot einen Bebauungsplan aus? Hier kommt der Container ins Spiel: Wenn die Bürger nicht ins Rathaus kommen dürfen, dann kommt der Bebauungsplan per Bürocontainer zu den Bürgern – auf das zu bebauende Gelände.

„Wir haben nach einer kreativen Lösung gesucht“, erklärte Bezirksbürgermeisterin Richter-Kotowski verschmitzt – doch wo ist der Container? Während der Fahrer der Limousine den Block umkurvte, wanderte die dreiköpfige Verwaltungs-Presse-Entourage erst die Plüschowstraße, dann den Plüschowstraßenpfad entlang. Pressesprecher Mattick versuchte telefonisch den genauen Container-Standort zu ermitteln. In der Sven-Hedin-Straße wurden wir dann fündig: Die Baufirma hat den Bürocontainer zwischen der Einmündung der Plüschowstraße (es ist hier nur ein Fußgängerpfad) und den Hausnummern 72/78 aufgestellt. Da hörte unsere Safari auch schon auf – eine dicke rostige Kette und ein blankes Vorhängeschloss machte der Exkursion ein Ende.

Zum Glück haben wir die Gegend erkundet – und den Container gefunden. Damit Sie es leichter haben (Sie können sich wunderbar am roten Dixie-ähnlichen Klo orientieren, das direkt neben dem Contanier-Eingang thront)! Von Montag, 18. Mai, bis einschließlich 22. Juni wird im Container der Bebauungsplanentwurf 6-24 zu studieren sein. Montags bis donnerstags ist der kreative Auslegungsort von 8.30 bis 17 Uhr geöffnet; freitags schließt die Container-Mannschaft erst um 9 Uhr die rostige Kette auf und um 15 Uhr wieder zu. Wegen der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus-SARS-CoV-2 darf immer nur eine Person den Container betreten. Vor Ort können die Unterlagen nur eingesehen werden: Wenn Sie Fragen entwickeln, können Sie  telefonisch unter (030) 90 299-77 29 oder per E-Mail an stadtplanung@ba-sz.berlin.de schlauer werden.

Für das Foto, das ich von der Bezirksbürgermeisterin auf dem späteren Wohnareal machen wollte – eigentlich sollte sie den Container präsentieren –, haben wir dann noch eine weitere Runde um das Grundstück gedreht. Am Ausgangsort des Container-Spaziergangs an der Fischerhüttenstraße angekommen, platzierte ich Cerstin Richter-Kotowski auf der weiten, leeren Fläche. Während ich fotografierte, versuchte sie sich vorzustellen, wie das alles später einmal bebaut aussehen würde. Zur Zeit bereichern einige grüne Hügel auf dem Gelände das Sichtfeld: Für mich sahen die sanften Erhebungen wie Feenhügel aus (ich war mit meinen Gedanken wohl schon in Island, das steht weiter unten), die Bürgermeisterin dachte an Hünengräber. Verschaffen Sie sich am besten selber einen Eindruck vom künftigen Bauplatz, wenn Sie sich auf den Spaziergang zum Auslegungs-Container machen. Es ist Ihre Stadt.

Boris Buchholz ist freiberuflicher Journalist und Designer. Zwar wurde er in Wilmersdorf geboren, doch wuchs er in Lankwitz auf, besuchte in Steglitz das Gymnasium und wohnt in Zehlendorf. Mehr über Boris Buchholz erfahren Sie auf seiner Website. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an boris.buchholz@tagesspiegel.de