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Rettet die Kinderrettungsstelle am Klinikum Benjamin Franklin: Einstimmig fordert die BVV den Erhalt
Veröffentlicht am 28.02.2019 von Boris Buchholz
„Wir haben uns nachdrücklich dafür eingesetzt, die Kinderrettungsstelle zu erhalten“, erklärte Jugend- und Gesundheitsstadträtin Carolina Böhm (SPD) in der Februar-Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung. Doch die Charité wolle die Notaufnahme für Kinder schließen; es entstünden Verluste pro Jahr von 500.000 Euro, „nur“ 4.000 Patienten hätte die Rettungsstelle im Jahresschnitt, werde seitens der Uniklinik argumentiert. Die Kinderärzte der Charité hatten bereits im Dezember über mangelnde Qualität in Steglitz und personelle Überlastung geklagt und die Schließung der Kinderrettungsstelle gefordert (ich berichtete Ende Januar).
Diesen Argumenten stemmte sich die Gesundheitsstadträtin entgegen: „Die Situation in der Rettungsstelle wurde bewusst verschlechtert“, auch habe es eine Anweisung der Charité an die Feuerwehr gegeben, „den Campus Benjamin Franklin nicht mehr anzufahren“. Da dürfe man sich über eine geringe Auslastung nicht beschweren. Die FDP-Bezirksverordnete Mathia Specht-Habbel hatte das Thema auf das Parlaments-Parkett gebracht; wie das Bezirksamt die ärztliche Versorgung von Kindern im Bezirk einschätze, wollte sie wissen. „Bis zu einem mittleren Erkrankungsgrad“, so die Antwort, sehr gut. Steglitz-Zehlendorf sei mit sehr vielen Kinderärzten gesegnet – die Versorgungsquote liege bei 175 Prozent.
Doch sei es schon heute so, dass sowohl die Kinderrettungsstelle am Benjamin Franklin selber als auch die Praxis mit Notfallambulanz in der Flotowstraße Kinder mit einer schwereren Erkrankung gleich an das St. Joseph-Krankenhaus verweise. Eine Kinderklink gibt es im Bezirk nur am Helios Klinikum Emil von Behring in Zehlendorf. „Für Notfälle werden schon jetzt längere Wege in Kauf genommen“, erläuterte Carolina Böhm. Sie halte diese Situation für bedenklich. „Im Augenblick habe ich wenig Hoffnung“, sagte sie, dass die Kinderrettungsstelle bleibe. Im Gesundheitsamt werde überlegt, ob es möglich wäre, wenigstens „eine kleine Einheit“ am Benjamin Franklin zu halten. Ansonsten müsste man versuchen, die Notfall-Lücke über eine Nahraumversorgung mit Praxen zu füllen. „Wir kämpfen und wir werden weiterkämpfen“, sagte die Gesundheitsstadträtin den Bezirksverordneten zu.
Einstimmig beschlossen die Bezirksverordneten später in der Sitzung einen Antrag, in dem das Bezirksamt „dringend“ aufgefordert wird, sich für den „unbedingten“ Erhalt der Notfallstelle einszusetzen.
Am Ende der Debatte merkte Gesundheitsstadträtin Böhm noch etwas an: Sie sei „schockiert“ darüber, dass die Charité im Streit um die Kinderrettungsstelle mit falschen Angaben hantiere. In einem internen Vermerk der Charité, er liegt dem Tagesspiegel vor, wird berichtet, dass die Gesundheitsstadträtin in die Planungen der Uniklinik einbezogen worden sei und einer gemeinsame Kommunikationsstrategie zugestimmt habe. „Mit mir wurde kein Konzeptpapier und kein Kommunikationskonzept abgesprochen“, betonte Carolina Böhm. Das alles erinnere sie an Plots, die sie sonst nur aus dem Fernsehen kenne: aus „Charité“, der „Serie zur besten Sendezeit“.