Namen & Neues

Zukunft des Kranoldplatzes: Huth-Sprecher versteht die Aufregung nicht

Veröffentlicht am 23.05.2019 von Boris Buchholz

Zukunft des Kranoldplatzes: Debatte um Immobilien von Harald Huth. Drei große Gewerbe- und Miet-Immobilien direkt am Kranoldplatz am S- und Regionalbahnhof Lichterfelde-Ost gehören dem Investor Harald Huth (Foto): Während Teile der Bezirkspolitik eine „Monopolbildung“ und aufgrund aktueller Mieterhöhungen eine Zerstörung des „bewährten Zentrums“ befürchten und die Bezirksbürgermeisterin den Investor zum Gespräch gebeten hat (ich berichtete in der vergangenen Woche), reagierte der Sprecher der Huth’schen Immobilienholding HGHI gelassen. Man verfolge keinen „Masterplan“ und man verstehe die Frage nach einem „Monopol“ nicht, sagte Mirco Hillmann dem Tagesspiegel auf Nachfrage. „Wir haben einfach Immobilien, die verkauft worden sind, gekauft.“ Warum es zur Huth-Häufung am Kranoldplatz gekommen sei, erklärt er so: „Wenn es interessante Immobilienprojekte in Berlin gibt, beschäftigen wir uns grundsätzlich damit.“ Das habe nichts mit Lichterfelde-Ost, Lichterfelde-West, Marzahn oder Lichtenberg zu tun, so der Sprecher.

Seine Firma sei daran interessiert, „Immobilien, die sich in ihrem Besitz befinden, in einem attraktiven Zustand zu halten, zu bringen oder weiterzuentwickeln“. Wie teuer die Gewerbemieten pro Quadratmeter in den Huth-Häusern seien, wollte Mirco Hillmann nicht preisgeben. Auf die Frage nach dem Hintergrund der Mieterhöhungen für Gewerbetreibende antwortete er: „Auslaufende Mietverträge, die eine Mietpreisverhandlung oder einen Mietpreis von vor 20 Jahren beinhalten, werden grundsätzlich neu verhandelt.“

Der Holding gehören das „Stellwerk“-Gebäude an den Bahngleisen am Kranoldplatz 3-6, die Ladenzeile mit darüberliegenden Gewerbe und Wohnungen direkt daneben (Lankwitzer Straße 25-26) und der Ferdinandmarkt in der Ferdinandstraße 31-35. Am Einkaufszentrum „LIO“ in der Lankwitzer Straße 19 ist Harald Huth seit dem Umbau im Jahr 2013 nicht mehr beteiligt. Das Center wurde 2017 von der Firma Internos Global Investors im Auftrag des französischen Investmentfonds „Novapierre Allemagne Fund“ gekauft. Verwaltet wird das „LIO“ von der Deutschen Immobilien Gruppe.

In den nächsten Monaten werde das Stellwerk-Gebäude teilweise saniert, stellte Mirco Hillmann in Aussicht. Die seit Monaten leerstehenden Räume des ehemaligen Restaurants, es hieß auch „Stellwerk“, würden umgebaut werden. Den langandauernden Leerstand erklärte der HGHI-Sprecher mit der Insolvenz des Mieters: Das Mietverhältnis sei „nicht ordnungsgemäß“ abgewickelt worden, es sei „nicht so einfach“ gewesen, wieder an die Fläche heranzukommen.

Mirco Hillmann sieht die Zukunft rund um den Kranoldplatz positiv: „Egal, wo die HGHI oder Herr Huth in der Vergangenheit Immobilien erworben hat, gab es eine positive Entwicklung des Mikrostandortes.“ Seinen Optimismus teilen einige Ladenbesitzer, Gewerbetreibende und Anwohner des Platzes wohl nicht. Für den 3. Juli lädt Rainer Frohloff, er ist Geschäftsführer der WebKiez GmbH und engagiert sich in der Standortgemeinschaft Lichterfelde-Lankwitz „Mein LiLa“, zum „1. Runden Tisch Kranoldplatz, Ferdinandmarkt, Lichterfelde-Ost“ ein. In einer offenen Diskussionsrunde solle die Frage debattiert werden, ob „ein lebendiger Kiez mit seiner Vielfalt an meist inhabergeführten Einzelhandelsgeschäften und Dienstleistungen durch einen Immobilienentwickler in eine mögliche Schieflage“ gerät. Der Runde Tisch findet um 19 Uhr im Restaurant „Friedhard’s“ (Königsberger Straße 46) statt. – Boris Buchholz
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