Namen & Neues

Hinweistafeln am Hindenburgdamm: Eine grundlegende Debatte zu Straßenumbenennungen fand im Kulturausschuss nicht statt

Veröffentlicht am 06.06.2019 von Boris Buchholz

Wer künftig den Hindenburgdamm entlang spaziert, soll über den Namensgeber der Straße informiert werden. Zumindest „am nördlichen und am südlichen Anfang“ der Straße soll jeweils eine Hinweistafel angebracht werden. Auf ihnen sollen sich die Bürgerinnen und Bürger über das Leben und Wirken von Paul von Hindenburg, einst Generalfeldmarschall und Reichspräsident, „mit allen Höhen und Tiefen, Besonderheiten und Brüchen, Stärken und Schwächen“ kundig machen können. Diesen Antrag der CDU beschloss der Ausschuss für Bildung und Kultur der Bezirksverordnetenversammlung am Mittwochabend mit den Stimmen von Christdemokraten, Grünen und AfD.

„Weichgespült“ nennt Hans-Walter Krause, Bezirksverordneter der Linken, den Beschluss. Seine Fraktion hatte einen ähnlichen, aber sehr viel kritischeren Antrag in das Bezirksparlament eingebracht. Die Linken hatten gefordert, dass alle Straßenschilder am Hindenburgdamm mit kleinen Zusatzschildern versehen werden. Ziel sei es, deutlich zu machen, dass mit dem Straßennamen „nicht länger eine Ehrerbietung des Militaristen und Menschen, der Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte, verbunden ist“, heißt es in der Begründung. Die Linken scheiterten mit diesem Ansinnen, nur die SPD stimmte mit ihnen dafür.

Auf der Tagesordnung standen noch fünf weitere Anträge, in denen ein kritischer Umgang mit den Straßennamen im Bezirk gefordert wird – doch zu einer weiteren Debatte kam es nicht. Mit der Begründung, dass erst noch Experten hinzugezogen werden sollten, das Konzept dafür aber noch nicht vorliege, wurden vier Anträge der Linken mit der Mehrheit von CDU, Grünen, FDP und AfD vertagt. Die Linken fordern, in Lankwitz den Maerckerweg und die Gallwitzallee umzubenennen, im Weddigenweg Hinweistafeln zu installieren und die Spanische Allee „umzuwidmen“: In Zukunft soll als Namensgeber der Straße nicht mehr die Legion Condor, sondern die deutsch-spanische Freundschaft gelten.

Antrag Nummer fünf stammte von der AfD: Die Rechtspopulisten wünschen sich eine Straße oder einen Platz im Bezirk, die oder der nach Graf von Stauffenberg benannt ist. Eine solche Straße gebe es in Berlin schon argumentierte der SPD-Verordnete Martin Kromm, eine „Doppelbenennung“ sei nicht sinnvoll. Die AfD stimmte für und alle anderen Fraktionen gegen den Antrag.

Die Infotafeln am Hindenburgdamm stehen am 19. Juni zur abschließenden Beratung auf der Tagesordnung der Bezirksverordnetenversammlung. Die vertagten Anträge werden erst wieder nach der Sommerpause im Ausschuss behandelt werden. Frühestens im Herbst könnte im Südwest-Parlament eine Straßennamen-Debatte anstehen – die Umbenennungs-Erfahrungen aus anderen Bezirken lassen vermuten, dass es hitzig wird. – Boris Buchholz

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