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Käthe-Kruse-Grundschule: Wo die Hortkinder nach den Sommerferien betreut werden, steht in den Sternen

Veröffentlicht am 06.06.2019 von Boris Buchholz

Die Situation an der Käthe-Kruse-Grundschule wird nicht besser – und vielleicht nach den Sommerferien sogar noch deutlich schlimmer. Denn bisher ist unklar, wo im neuen Schuljahr um die 200 Hortkinder betreut werden sollen. Ein kurzer Blick zurück: Im Herbst 2018 sperrte das Bezirksamt kurzfristig den provisorischen Hort-Pavillon aus den 1970er Jahren wegen Einsturzgefahr. Bildungsstadtrat Frank Mückisch (CDU) versprach, dass das alte Gebäude abgerissen und ein Containerbau errichtet werde. Als Interimslösung wurden die Hortkinder auf drei Standorte aufgeteilt: Etwa 100 Kinder kamen in zwei Räumen der Kronach-Grundschule unter, etwa 50 im Jugendhaus Albrecht Dürer, weitere Schüler besuchten Arbeitsgruppen, die im Haupthaus der Käthe-Kruse-Schule stattfanden. Doch nach den Sommerferien müssen die Behelfs-Räume in der Kronach-Schule renoviert werden – und das Jugendhaus will seine Jugendarbeit wieder aufnehmen beziehungsweise erweitern. Die Ersatz-Container werden aber nach dem aktuellen Zeitplan erst kurz vor Weihnachten einsatzbereit sein.

Wo die Schülerinnen und Schüler nach den Sommerferien hin sollen – durch die kostenfreie Hortbetreuung und eine zusätzliche erste Klasse werden dann um die 200 Kinder den Hort besuchen – , fragte Christine Vondenhoff, die Vorsitzende der Gesamtelternvertretung der Käthe-Kruse-Grundschule, in der Schulausschusssitzung am Dienstagnachmittag Bildungsstadtrat Frank Mückisch. „Ich kann Ihre Frage gut nachvollziehen“, antwortete er, „ich kann Ihnen aber nichts sagen, weil ich nichts weiß“. Das Schulamt habe in allen umliegenden Schulen nach freien Räumen gefahndet, ohne Erfolg. Sein Wunsch sei, dass das Jugendamt ein Einsehen habe und doch das Albrecht-Dürer-Haus für den Hort weiter zur Verfügung stelle: „Es geht um vier oder fünf Monate.“ Ein Stadtratsspitzengespräch zwischen ihm und Jugendstadträtin Carolina Böhm (SPD) Ende Mai habe jedoch noch nicht zu dem von Frank Mückisch erhofften Ergebnis geführt. „Die Verhandlungen über die weitere Nutzung der Jugendfreizeiteinrichtung finden derzeit zwischen Schul- und Jugendamt statt“, erklärte die Jugendstadträtin auf Nachfrage des Tagesspiegels am Donnerstag. Man sei im Gespräch.

Die FDP-Bezirksverordnete Mathia Specht-Habbel ärgerte sich in der Sitzung des Schulausschusses und fasste die bisherigen Terminpläne von Bildungsstadtrat Mückisch zusammen: Erst hieß es, die Container stünden nach den Osterferien bereit, dann seien es die Sommerferien gewesen. De facto könne der Hort nach den neuesten Planungen nach den Weihnachtsferien, also im Januar 2020, die neuen Container nutzen. Sie habe beim Stadtrat das Gefühl, er würde „abwarten und Tee trinken“. Dabei sei die Situation „sehr unbefriedigend“. „Es hilft jetzt nicht weiter auf Emotion zu machen“, konterte der Stadtrat. Das Amt habe „genau die richtigen Maßnahmen“ ergriffen, „da müssen wir jetzt einfach durch“. Sein Parteikollege Harald Mier erklärte, das einzige was zähle, sei das Ergebnis und „das Ergebnis ist schlecht“. Er sieht die Jugendstadträtin in der Pflicht und fragt sich, „warum die Überbrückung bisher funktioniert hat und für weitere fünf Monate nicht mehr funktioniert“.

Nach der Sitzung des Ausschusses zogen die Eltern Bilanz. „Was klar wurde, ist, dass kein Plan B existiert“, stellte Elternvertreterin Ursula Csejtei fest. Am meisten ärgert sich Christine Vondenhoff darüber, „dass Herr Mückisch, der unsere Schule ja erst in diese missliche Lage gebracht hat, sich jetzt offenbar nicht verantwortlich fühlt, wirklich zur Lösung beizutragen“. Er verweise nur auf Jugendstadträtin Böhm, die schnell Räumlichkeiten des Jugendamts zur Verfügung stellen solle. „Natürlich wäre das Albrecht-Dürer-Haus aus unserer Sicht ideal für eine weitere Übergangslösung“, erklärt die GEV-Vorsitzende: „Umso schlimmer finde ich, dass das Schulamt sich nicht schon viel früher, als klar wurde, dass die Ersatzcontainer nicht nach den Osterferien bereitstehen würden, aktiv für diese Lösung eingesetzt hat!“ – Boris Buchholz

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Diesen Text haben wir als Leseprobe dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Steglitz-Zehlendorf entnommen. Den Newsletter, den Ihnen Boris Buchholz einmal pro Woche schickt, können Sie ganz unkompliziert und kostenlos bestellen unter leute.tagesspiegel.de.

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