Namen & Neues

Geplatzte Container-Träume: Die Ersatz-Schulbauten für fünf Grundschulen sind zu teuer

Veröffentlicht am 15.08.2019 von Boris Buchholz

7,3 Millionen Euro – soviel hat der Bezirk für den Kauf von fertigen Schulcontainern vom Land zur Verfügung gestellt bekommen. Seit letzter Woche ist klar: Das Geld reicht hinten und vorne nicht. Bei der Ausschreibung des Bezirksamts beteiligte sich eine Firma – und die wollte etwa 12 Millionen Euro für die provisorischen Schulzimmer haben. Ursprünglich plante das Amt, bis Jahresende alle einsturzgefährdeten Mobilen Unterrichtsräume (MUR) abzureißen und sie durch Containerbauten zu ersetzen. Betroffen sind die Giesendorfer Grundschule, die Grundschule an der Bäke, die Alt-Lankwitzer Grundschule und die Käthe-Kruse-Grundschule. An der Grundschule am Königsgraben stand zwar kein MUR-Gebäude, doch auch hier muss schnell zusätzlicher Unterrichtsraum geschaffen werden, die Schule platzt aus allen Nähten.

Allein für die Grundschule am Königsgraben erwägt Bildungsstadtrat Frank Mückisch (CDU), trotz des hohen Preises die teuren Container anzuschaffen. Die Raumnot sei an der Lankwitzer Schule einfach zu groß, sagte er dem Tagesspiegel, „wir hoffen, dass wir dort die Containervariante umsetzen können“. Bis Dezember könnten die Container stehen.

Für die anderen vier Schulen würden jetzt „individuelle Lösungen“ gesucht. Alle Schulleitungen seien telefonisch informiert worden, „wir haben jetzt fast alle Schulen am Tisch gehabt“, berichtet Frank Mückisch. Entweder könnten Modulare Ergänzungsbauten (MEB) zum Einsatz kommen, deren Bau allerdings der Senat zustimmen müsste. Alternativ, so der Stadtrat, könnte der Bezirk auch „noch nicht ausgebaute“ Container ankaufen und sie in Eigenregie zu Schulräumen ausbauen lassen. Das könnte die Kosten senken und werde derzeit geprüft. Fest stehe, dass sich die betroffenen Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrende und Erziehende auf „ein längeres Provisorium“ einstellen müssten. Für ihn und sein Amt habe die Lösung des akuten Schulraum-Dilemmas „allerhöchste Priorität“.

Clemens Escher, CDU-Bezirksverordneter und Mitglied des Schulausschusses, hat Verständnis für die Lage des Amts: Ein Auftrag, der zu sechzig Prozent überzeichnet ist, dürfe nicht erteilt werden, „da würde sonst die Revision was sagen“. „Das Bezirksamt hat schnell gehandelt und die Ausschreibung gecancelt“, meint der Bildungspolitiker. Allerdings sei die Situation „sehr ärgerlich“. Und er stellt klar, was keine Lösung sein dürfe: „Zelte oder ähnliches kommen aus Sicht der CDU nicht in Frage; die Lösungen müssen zur Institution Schule passen.“

Klartext für alle: Die beengte Raumsituation an vier der fünf Schulen kann frühestens im nächsten Jahr gelindert werden. Genauer Zeitpunkt ungewiss. Die bestehenden Terminpläne sind obsolet und neue können noch nicht geschrieben werden. Immerhin, so heißt es aus dem Amt, werden im September die letzten Überreste der einsturzgefährdeten MUR an den Schulen verschwunden sein. Das Alte ist so gut wie weg – das Neue kommt wohl, irgendwann. – Text: Boris Buchholz
+++
Diesen Text haben wir als Leseprobe dem Tagesspiegel-Newsletter für den Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf entnommen. Den – kompletten – Bezirksnewsletter vom Tagesspiegel bekommen Sie ganz unkompliziert und kostenlos unter leute.tagesspiegel.de.