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2029 will das Alliiertenmuseum im Ex-Flughafen Tempelhof eröffnen – die meisten Großobjekte sind schon da

Veröffentlicht am 09.01.2020 von Boris Buchholz

2029 will das Alliiertenmuseum im Ex-Flughafen Tempelhof eröffnen – die meisten Großobjekte sind schon da. Gleich am Eingang des ehemaligen Berliner Großflughafens steht die „Spirit of Steinstücken“, ein schwarz lackierter Mehrzweckhubschrauber des U.S. Army Aviaton Detachment, die genaue Bezeichnung lautet Bell UH1-H Iroquois. Das Berliner Wappen schmückt den Flieger. Ganz rechts hat das Aufklärungs- und Verbindungsflugzeug Cessna L-19 E der Forces Françaises stationnées à Berlin (FFSB) einen vorübergehenden Standort erhalten. Hinten an der Wand stehen einträchtig ein gepanzerter Mannschaftstransporter „Rarden“ der British Infantry Brigade Berlin neben einem Kampfpanzer M48 „Patton“ der Amerikaner und „Reinickendorf“, einem französischem Kampfpanzer AMX-30.

Egal ob der Panzerspähwagen (im Jargon ein „Auto mitrailleuse légère“), der Pick-Up-Truck als RIAS-Lautsprecherwagen oder der Range Rover, der in Deutschland zum Paradewagen umgebaut wurde – in Halle 8 tummeln sich Gerätschaften, die ich noch nie im Alliiertenmuseum an der Clayallee gesehen habe. Die Halle 8 befindet sich auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof. Das Alliiertenmuseum wird nicht irgendwann und vielleicht nach Tempelhof ziehen – die meisten seiner Großobjekte sind schon da.

Für Museumsdirektor Jürgen Lillteicher (Foto) sind die Objekte in Halle 8 – es ist ein wenig einladendes Gebäude auf dem Vorfeld des Flughafens – wesentliche Gründe für den Umzug: An der Clayallee gäbe es nicht ausreichend Platz, um die Bestände des Museums zu zeigen. Außerdem: Weil der britische Rosinenbomber ebenso wie der Eskortewagen des französischen Militärzuges im Freien stünden, würden diese Großobjekte „vergammeln“, sie „vegetieren in Zehlendorf dahin“. Aus dem Flugzeug hätten sie schon die Pilotensitze und diverse andere Einrichtungsteile entfernen müssen, um sie vor dem Verfall zu schützen.

Ganz anders könnte sich das Museum am neuen Standort präsentieren. Der Hangar 7, ganz am südwestlichen Ende des gebogenen Flughafengebäudes, ist riesig. Allein die Grundfläche der im Januar kalten Halle ist mit 5.000 Quadratmetern größer als die gesamte Nutzfläche an der Clayallee. Insgesamt, so erklärt Jürgen Lillteicher, stünden dem Museum nach dem Umzug 6.988 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Der Rosinenbomber könnte im Trockenen gezeigt und jederzeit begangen werden (inklusive Pilotensitze) – nicht so wie am jetzigen Standort, im Winterhalbjahr ist das Flugzeug nicht geöffnet, Unfallgefahr.

„Wahrscheinlich“ 2029 könnte das Museum im Hangar 7 eröffnen, hofft Direktor Lillteicher. Zwei bis drei Jahre vorher müsste das Museum an der Clayallee seine Pforten schließen; die Mitarbeiter bräuchten Zeit zum Kistenpacken. Zur Zeit wird der Kopfteil West des Flughafengebäudes saniert, hier wird sich später wohl auch der Eingang zum Alliiertenmuseum befinden. Das Neue Alliiertenmuseum (das ist der aktuelle Arbeitstitel) sei ein wichtiger Ankermieter im Flughafen Tempelhof, weiß Irina Dähne, Pressesprecherin der Tempelhof Projekt, einer landeseigenen GmbH, die das alte Flughafengebäude betreibt. 2021 werde der Tower THF und die Dachterrasse im Kopfbau West für die Öffentlichkeit geöffnet werden. 2023 sei die Geschichtsgalerie, eine 1,2 Kilometer lange Open-Air-Austellung auf dem Airport-Dach, fertig. Dann fehle nur noch das Museum.

Was außerdem fehlt, ist eine Entscheidung des Bundestags. Denn die Kosten für das alte wie neue Alliiertenmuseum werden aus dem Bundeshaushalt beglichen. Bisher sind etwas über 27 Millionen Euro für den Umzug und die neue Ausstellung eingeplant – es wird aber mehr Geld benötigt. Jürgen Lillteicher ist zuversichtlich. Sein Haus habe eine solide Kostenschätzung bei den Bundeshaushältern abgegeben; keine Salamitaktik, sondern bis zur Objektbeleuchtungslampe sei alles kalkuliert. Er erwartet, dass der Bundestag die Kosten für das Neue Alliiertenmuseum in den neuen Haushalt einstellen werde. Sei das geschehen, können auch endlich der Mietvertrag unterzeichnet werden. „Er ist seit einem Jahr unterschriftsreif“, sagt Tempelhof-Projekt-Sprecherin Irina Dähne.

Jedes Jahr hat das Alliiertenmuseum an der Clayallee um die 70.000 Besucher. Prognosen gehen davon aus, dass es am Flughafen Tempelhof 360.000 pro Jahr werden könnten. Auch wenn es die Bezirkspolitik im Südwesten anders sieht (meinen Bericht zur Debatte in der Dezember-Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung lesen Sie hier): „Wir sind kein Bezirksmuseum“, betont Jürgen Lillteicher. Sein Museum habe die Freiheit zum Thema, internationale Politik. „Es ist Weltgeschichte“, ergänzt Sprecherin Dähne. Für ein Museum der Freiheit sei der Flughafen Tempelhof der richtige Ort. Text: Boris Buchholz
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Zum Autor des Newsletters: Boris Buchholz ist freiberuflicher Journalist und Designer. Zwar wurde er in Wilmersdorf geboren, doch wuchs er in Lankwitz auf, besuchte in Steglitz das Gymnasium und wohnt in Zehlendorf. Mehr über Boris Buchholz erfahren Sie auf seiner Website. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an boris.buchholz@tagesspiegel.de