Namen & Neues

Corona und Digitalisierung: Laptops sind im Bezirksamt immer noch Mangelware

Veröffentlicht am 26.11.2020 von Boris Buchholz

„Wir schreiben uns im Augenblick die Finger wund, um Laptops zu bekommen“, berichtet Cerstin Richter-Kotowski. Die CDU-Bezirksbürgermeisterin ist aufgebracht: „Wir dürfen nur über das IT-Dienstleistungszentrum Berlin bestellen, das dauert und dauert und dauert und dauert.“ Am liebsten würde sie sich am freien Computermarkt eindecken – das dürfe sie aber nicht.

Merken Sie etwas? Ähnlich hörte sich die Rathauschefin auch schon Ende April an. Am 30. April, da war der erste Lockdown des Jahres schon fast beendet und auch die Spielplätze wurden wieder geöffnet, berichtete ich, dass es zum Beispiel im Arbeitsbereich der Bürgermeisterin – Presse- und Öffentlichkeitsarbeit inklusive – nur einen Laptop mit Kamera, Lautsprecher und Mikrofon gebe (hier zum Nachlesen). Mitten im Lockdown light, Ende November, hat sich daran nichts geändert. Und auch schon im April hieß es, das IT-Dienstleistungszentrum (ITDZ) würde nicht liefern.

Verändert hat sich zum Glück wenigstens an anderer Stelle etwas: Der sichere Zugang von außen auf die Rathaus-Computer wäre rein technisch für die Mitarbeiter kein Problem mehr. „Wir haben einen Test-VPN-Tunnel eingerichtet“, zählt Cerstin Richter-Kotowski auf, „wir haben Windows 10, wir haben eine Firewall und wir haben Outlook“. Jetzt könnte mobiles Arbeiten stattfinden. Wenn der Personalrat noch einer Dienstvereinbarung seine Zustimmung gebe, sei es nun zum Beispiel möglich, „von außen auf die Dienst-E-Mails zuzugreifen“. Immerhin.

Aber jetzt taucht ein anderes Problem auf: Lizenzen. Das ITDZ schreibe dem Bezirk vor, dass der Zugang über die sichere VPN-Verbindung nur über personenbezogene Software-Lizenzen erlaubt sei. Für zwei Jahre koste eine Lizenz pro Nase um die 300 Euro. Rechnen Sie selber: Im Bezirksamt arbeiten ungefähr 1.300 klassische Verwaltungsmitarbeiter – aber nur für die wenigsten gibt es aktuell ein mobiles Endgerät. „Das ist Wahnsinn!“, seufzt die Bezirksbürgermeisterin. Sinnvoller wäre es, erklärt sie, vor allem gerätebezogene Lizenzen zu erwerben – bei ihr im Umfeld gebe es ja sowieso nur einen Laptop für den Außer-Haus-Einsatz.

300 auf Geräte bezogene Lizenzen hält sie für ausreichend. Für Mitarbeiter des Ordnungsamts oder Baumkontrolleure, die sowieso vor allem im Außendienst unterwegs seien, kämen 70 personengebundene Lizenzen hinzu. Auch die Lebensmittelkontrolleure würden davon profitieren – bei Ihnen sei die Situation genau anders herum: Die mobilen Geräte sind vorhanden, aber da der Computerzugang von außen noch nicht geklärt sei, „müssen sie im Amt alles abschreiben, um es in den Server einzugeben“, so die Rathauschefin.

Verschenkte Zeit. Jetzt würden Gespräche über an Geräte gebundene Lizenzen mit dem ITDZ und dem Senat beginnen, sagt Cerstin Richter-Kotowski. Acht Monate sind seit dem Beginn des ersten Lockdowns vergangen und die mobile Arbeitsfähigkeit der Verwaltung hat sich nur unwesentlich verbessert. Mehr Laptops? Fehlanzeige. Sicherer Zugriff von außen auf die Server? Noch nicht geregelt. Immerhin, dass die Mitarbeiter bald auch vom heimischen Esstisch auf ihre E-Mails zugreifen könnten, gibt etwas Hoffnung. Aber was hilft diese theoretische Möglichkeit, wenn es keine mobilen Endgeräte gibt? Leider nichts. Text: Boris Buchholz
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