Namen & Neues
Bänke, Markt, Wasser, Grün: Die Ergebnisse der Online-Beteiligung zum Umbau des Hermann-Ehlers-Platzes
Veröffentlicht am 10.06.2021 von Boris Buchholz
Im März stellte das Grünflächenamt seine Ideen zur Umgestaltung des Hermann-Ehlers-Platzes zur Diskussion (ich berichtete hier): Wasserspiele, mehr Bänke, andere Wege, teilweise Sperrung der kleinen Versorgungsstraße, mehr Außengastronomie, waren einige der Projekt-Highlights. Vier Wochen lang konnten Bürgerinnen und Bürger die Planungen online kommentieren. „Bei der Beteiligung zur Umgestaltung des Hermann-Ehlers-Platzes sind mehr als 60 Ideen auf der Plattform angelegt worden“, die teilweise rege kommentiert wurden, berichtet Bau- und Umweltstadträtin Maren Schellenberg (Grüne). Weitere Bürgeranmerkungen seien per Post eingegangen.
Das wollen die Bürgerinnen und Bürger: Mehr Sitzgelegenheiten, eine häufigere Reinigung, mehr Abfalleimer, mehr Beleuchtung wären gut, ist sich eine deutliche Mehrheit sicher. Die Bäume sollen erhalten, der Platz soll begrünt bleiben. Der Markt wird als wichtig wahrgenommen, es wird angeregt, das Angebot mit mehr regionalen Waren und weniger Billigartikeln aufzuwerten. Die Idee, mehr Außengastronomie auf dem Platz sowie der bisherigen Lieferstraße zu ermöglichen, findet Wiederhall. Allerdings müssten Liefer- und Versorgungsfahrzeuge die Häuser auf der Nordseite des Platzes sicher erreichen können. Angeregt wurde auch, Spielgeräte auf dem Platz zu integrieren.
Für ein Wasserspiel fand sich „eine klare Mehrheit“. Es soll „auf jeden Fall auf dem Platz zu finden sein“, sagt Maren Schellenberg. Da die bisher für die Platzgestaltung zur Verfügung stehenden Mittel in Höhe von 600.000 Euro jedoch nicht für ein neues Wasser-Spektakel ausreichen würden, „wird zu entscheiden sein, ob der vorhandene Brunnen erhalten bleibt bis ein neuer in Aussicht steht oder ob er abgerissen werden sollte“. Allerdings mache der Erhalt des Brunnens nur Sinn, wenn die Anlage saniert und sie regelmäßig von Graffiti und Müll befreit werden würde – „anderenfalls würde der negative Zustand die Neugestaltung überstrahlen“, meint die Stadträtin.
Was die Bürger nicht wollen: Eine überdachte Fahrradabstellanlage und ein Mobilitäts-Hub auf dem Platz lehnen viele der Diskutanten ab. Zwar wird der Bedarf gesehen, doch weitere Abstellflächen sollten besser unter der Autobahn an der Düppelstraße errichtet werden. Die bestehenden Hochbeete werden als „unmodern“ und ungepflegt wahrgenommen – mehr Grün sei aber erwünscht. Negativ äußerten sich die Teilnehmenden auch über den Verkehrslärm, der von der Albrecht- und der Schloßstraße auf den Platz schallt. Als mögliche Lösungen wurde eine Geschwindigkeitsbegrenzung um den Platz und eine Verringerung der Fahrspuren angeregt.
So geht es weiter. Das Grünflächenamt prüft aktuell die Anregungen aus der Online-Beteiligung, neue und angepasste Pläne müssten noch erarbeitet werden. „Um dem Wunsch nach mehr Grün auf dem Platz Rechnung zu tragen, sollte eine Entwurfsvariante mit einer bepflanzten Fläche entwickelt und offen diskutiert werden“, sagte Stadträtin Schellenberg dem Tagesspiegel. Auch wenn ein überdachter Fahrradabstellplatz abgelehnt werde, sollten „einige Fahrradbügel“ auf dem zentralen Platz angeboten werden. Da die vorhandenen 600.000 Euro nur für einen Teil der gewünschten Maßnahmen ausreiche, werden „wir wesentlich am Belag, den Bäumen und der Aufenthaltsqualität arbeiten“, so die Stadträtin. Der Brunnen werde „nach hinten geschoben“.
Die Beseitigung der Stolperfallen genießt oberste Priorität“, teilt Maren Schellenberg mit. Das wird auch den Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein (ABSV) freuen zu hören (siehe auch die Meldung zuvor): „Der neue Belag soll dann optisch und taktil kontrastreicher sein“. Und „neue Ausstattungsgegenstände wie Poller“ bekämen Kontraststreifen spendiert. Auch um die Spiegelwand sei ein Aufmerksamkeitsstreifen vorgesehen. Doch wieder weist die Stadträtin auf das magere Budget hin: Es könne nicht der gesamte Platz bearbeitet werden, „die Hauptwege sollen gesichert werden“. Etwas Licht könnte es im Finanzierungstunnel jedoch geben. „Möglicherweise gelingt es uns, Mittel zur Verbesserung des Fußverkehrs von der Senatsverwaltung für Umwelt, Klimaschutz und Verkehr zu akquirieren“, so Maren Schellenberg.
Frühestens 2022. Wann wirklich auf dem Platz mit ersten Bauarbeiten begonnen wird, ist noch unklar und hänge „von mehreren derzeit nicht kalkulierbaren Umständen externer Stellen“ ab – dahinter verbergen sich wohl der Senat und die Träger öffentlicher Belange wie Feuerwehr, Polizei, BVG und Müllabfuhr. „Im günstigsten Fall ist Ende 2022“ mit dem Baustart für eine neue Platz-Ära zu rechnen.
Auf mein.berlin können Sie die Kommentare Ihrer Nachbarinnen und Nachbarn nachlesen. Was auffällt: Von Blinden oder Sehbehinderten fehlt jeder Kommentar. Was, so erklärte es mir der ABSV auf Nachfrage, daran liegt, dass „die Bürgerbeteiligung online in der Regel nicht barrierefrei ist“. Weder Vorleseprogramme, sogenannte Screen-Reader, noch Braillezeilen kämen mit mein.berlin zurecht. Doch seien auf dem Hermann-Ehlers-Platz viele blinde und sehbehinderte Menschen unterwegs: Rathaus Steglitz ist nicht nur ein bedeutender Verkehrsknoten und Umsteigepunkt sowie der Zugang zur Einkaufsmeile Schloßstraße. In der Rothenburgstraße befindet sich die Johann-August-Zeune-Schule für Blinde, das Blindenhilfswerk und das Blindenmuseum.
Text: Boris Buchholz
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