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Bundesanstalt baut im Bezirk 230 neue Wohnungen – doch beim Klimaschutz bleibt Luft nach oben

Veröffentlicht am 13.01.2022 von Boris Buchholz

Es wird gebaut im Bezirk: 1088 Wohnungen besitzt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) zur Zeit in Steglitz-Zehlendorf, darunter sind auch 22 Einfamilienhäuser beziehungsweise Doppelhaushälften. Bis 2024 sollen der Bestand der Bima-Wohnungen im Bezirk deutlich wachsen: Circa 230 Wohnungen sollen in den kommenden zwei Jahren hinzukommen. Insgesamt plant die Bima in Berlin 2700 Wohnungen neu zu bauen.

Größtes Bauprojekt in Steglitz-Zehlendorf ist für die Bundesanstalt die Siedlung Düppel Süd: Zwischen der Lindenthaler Allee und Benschallee sollen die Bestandsbauten aufgestockt werden. Außerdem „wird der Abriss eines alten, ungenutzten Supermarkts vorbereitet, um Platz für rund 200 neue Wohnungen zu schaffen“, teilte Bima-Sprecher Thorsten Grützner dem Tagesspiegel auch Nachfrage mit. Die weiteren Baustellen: In der Sven-Hedin-Straße 11 in Zehlendorf „ist der Baubeginn von rund 20 Wohneinheiten in zwei Mehrfamilienhäusern im Herbst 2022 vorgesehen“. Auch in der Schloßstraße 60a-62a, es ist ein großes Mehrfamilienhaus gegenüber vom Adria-Kino, gehen im Auftrag der Bima die Handwerker ein und aus – seit Mitte 2021 läuft dort der Umbau zu zwölf Wohnnungen.

„Gebaut werden überwiegend Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen mit rund 65 bis 70 Quadratmetern zur Vermietung im Rahmen der Wohnungsfürsorge des Bundes“, schreibt der Bima-Sprecher. Mieter sollen also Bundesbeamte und Beschäftigte des Bundes werden – und „die Nachfrage der Wohnungsfürsorge in Steglitz-Zehlendorf ist groß“. Was ein Lob für den Südwesten ist – hier wohnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ministerien und Behörden gerne. Sollte der Fall auftreten, dass eine Wohnung nicht an einen Bewohner mit Dienstausweis des Bundes vermietetet werden kann, würde sie auf dem freien Mietmarkt angeboten. Doch wie geschrieben, klingt eher unwahrscheinlich. Auch wenn fast nur Bundesbedienstete die Vorhänge in den neuen Wohnungen aufhängen werden – „durch die Schaffung von Wohnungen für Wohnungsfürsorgeberechtigte wird auch der lokale Mietmarkt entlastet“, argumentiert Bima-Sprecher Grützner.

Für Mieterinnen und Mieter der Bima heißt das: Sollten Sie ausziehen und einen Nachmieter stellen wollen, lassen Sie sich den Arbeitsvertrag zeigen. Wer nicht zu einer Bundeseinrichting gehört, ist in der ersten Runde chancenlos. Dabei ist es grundsätzlich ersztrebenswert, Bima-Mieter zu werden. Denn die Preise sind im Berliner Vergleich moderat – auch bei Neuvermietungen. Maximal zehn Euro nettokalt sind pro Quadratmeter fällig; ein Haushaltsvermerk aus 2020 legt fest, dass der Mietzins in Regionen mit angespannten Wohnungsmärkten auf der unteren Grenze im Mietspiegel gedeckelt werden kann. Bei zehn Euro liegt die Grenze. Die Regelung wurde beschlossen, nachdem 2017 Mieterinnen und Mieter – auch aus dem Bezirk – die zu hohen Mietsteigerungen der Bima bemängelt hatten. Der Steglitz-Zehlendorfer CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Heilmann hatte sich der Mieten-Sache angenommen (meinen Bericht lesen Sie hier). Zum 31. Oktober 2021 lag der durchschnittliche Mietpreis für bundeseigene Wohnungen in Berlin bei 6,22 Euro je Quadratmeter kalt, berichtete die „Berliner Zeitung“.

Ungelöst ist dagegen ein anderes Problem: Obwohl die Bima eine Bundesbehörde und der Kampf gegen den Klimawandel ein Top-Thema der Bundesregierung ist, ragen die Bauten der Bima bisher nicht als klimafreundliche Leuchttürme in den Himmel über Steglitz-Zehlendorf. Zwar sei der Bestand in den 1990-er Jahren „größtenteils saniert“ und mit einer Wärmedämmung versehen worden, so die Bima gegenüber dem Tagesspiegel. Auch bei der anstehenden Sanierung von vier Häusern in der Saargemünder Straße werde eine Dachdämmung vorgenommen. Doch Gründächer oder Photovoltaikanlagen? Fehlanzeige.

Keine Solarmodule in der Lissabonallee. Warum beispielsweise bei der Dachsanierung des Bestands in der Lissabonallee im Jahr 2020 keine weiteren Maßnahmen für den Klimaschutz durchgeführt wurden, erklärt Thorsten Grützner so: „Es wurde die wirtschaftlichste Alternative der Dachsanierung, also die Erneuerung des bisherigen Bestandes, gewählt.“ Davon, die Dächer an Betreiber von Solaranlagen wie den Berliner Stadtwerken zu vermieten, habe die Bima bisher abgesehen, „auch um mögliche Aufstockungspotenziale nicht zu gefährden“. Natürlich sei die Wohnungsverwaltung der Bima „generell auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit angelegt“. Und bei Neubauten seien durchaus „Dachphotovoltaik, Elektroladepunkte, Gründächer und reduzierte Versiegelungen“ vorgesehen. Doch seien die Planungen für die Neubauprojekte in Steglitz-Zehlendorf noch nicht so weit fortgeschritten, „dass sie sich konkretisieren lassen“.