Kiezgespräch
Veröffentlicht am 04.06.2020 von Boris Buchholz
Der Vorschlag von letzter Woche, die Havelchaussee zur Fahrradstraße zu machen und den Autoverkehr weitgehend auszusperren, hat für Reaktionen gesorgt: Zum einen haben weitere 1.400 Menschen die Online-Petition unterstützt (es sind jetzt etwas 3.220 Unterzeichner). Zum anderen meldeten sich einige Leser bei mir.
„Wer denkt sich solch einen Unsinn aus?“, meint Leser Jürgen Blachwitz. Seit 57 Jahren wohnt er im Südwesten Berlins, mehrfach in der Woche benutzt er die Havelchaussee, um Einkäufe und Besuche in Spandau zu machen. „Zwar kann man dort nur 30 km/h fahren, aber man kommt voran“, erklärt er, „anders sieht es, besonders an Wochentagen, auf der AVUS aus, wo man stadteinwärts häufig bereits ab Hüttenweg und manchmal schon ab Spanische Allee im Stau steckt“. Wenn demnächst auch am Dreieck Funkturm gebaut werde, befürchte er noch mehr Staus. Ihn ärgere die „Rücksichtslosigkeit vieler Radfahrer“, es sei doch auf der ganzen Länge der Havelchaussee ein Radweg vorhanden, „der aber nicht genutzt wird“. Stattdessen führen die Pedalritter auf der Straße, und zwar nebeneinander (ich habe eben beim ADFC nachgelesen: Nebeneinander zu fahren ist durchaus erlaubt; man dürfe nur niemanden behindern).
Auch Leser Heinz G. Kandel, er hat „30 Jahre Schlachtensee- und Havelerfahrung“, nennt die Havelchaussee eine „ganz wichtige Umleitung für die Avus“. Außerdem sei die Straße für den Ausflugsverkehr gerade auch älterer Leute wichtig: „Wie sollen die an die Havel kommen? Sagen Sie jetzt bitte nicht ‚mit dem Bus‘ (der an Werktagen alle Stunde fährt).“ Der dritte im Bunde ist Leser R.: Die Idee, die Zufahrt zur Uferstraße auf Radfahrende zu beschränken, verfängt bei ihm nicht – obwohl er „dort selbst jede Woche auf dem Fahrrad unterwegs ist und zwar immer auf der Straße, weil der Rad- und Fußgängerweg auf Grund der Wurzeln viel zu uneben ist und die Gefahr eines Sturzes besteht“. Aber ab und zu reise er auch mit der Familie zu einer der vielen Badebuchten. „Voll bepackt mit Decken, Picknick, Buddelzeug, Wechselklamotten etc. macht das mit dem Auto viel Spaß“, schreibt er: „Mit dem Bus würde ich es aber nicht machen. Das wäre schade!“
Ist es ihnen aufgefallen? Drei Meinungen, drei Männer – was sagen denn die Frauen zur Idee, die Havelchaussee zur Fahrradstraße zu machen? Ohne Durchgangsverkehr, ohne dröhnende Motorräder, ohne Autofahrer, die weit mehr als die erlaubten 30 Stundenkilometer fahren? Schreiben Sie mir an boris.buchholz@tagesspiegel.de. – Text: Boris Buchholz
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