Kiezgespräch

Veröffentlicht am 23.07.2020 von Boris Buchholz

An und auf Wannsee und Havel schlägt der Ärger über zu laute (und auch zu schnelle) Wasserfahrzeuge hohe Wellen. Der Krach auf dem Wasser sei nicht mehr auszuhalten, schrieben viele Leserinnen und Leser meinem Spandau-Kollegen André Görke (alle Bezirks-Newsletter gibt’s hier kostenlos, schauen Sie doch mal in die Nachbarschaft). Laute Musik – vom Schlager bis zu Techno – und Jubelschreie bis tief in die Nacht von Partybooten, röhrende Motoren, lärmende Speedboote: Die Liste der Bürgerbeschwerden ist lang. Er habe so viele Leserzuschriften erhalten wie seit Jahren nicht, berichtete André Görke. Neben dem Lärm („wir erkennen inzwischen schon die verschiedenen Speedboote am Motorengeräusch“, schreibt eine Anwohnerin) kritisieren die Bürgerinnen und Bürger auch den hohen Wellenschlag der zu schnell fahrenden Boote – und die Untätigkeit der Polizei. Nur vier Ordnungswidrigkeiten wegen Lärms hat es laut Wasserschutzpolizei im ersten Halbjahr 2020 gegeben.

Auf der anderen Seite der Havel ist es nicht leiser. Doch sind es hier bisher die Jetski-Fahrerinnen und -Fahrer, die bei Lesern für Unmut sorgen. Ein Leser berichtete mir, dass Jetskis vermehrt die Wasserskistrecke vor der Havelchaussee zum Rasen und Kapriolen schlagen nutzen würden. Auf Nachfrage erklärt die Wasserschutzpolizei, dass die Wassermotorräder die Wasserskistrecke nicht nutzen dürften – es sei denn, sie zögen einen Skifahrer. „Es sind einige Jetskier dort (auch schnell) unterwegs“, bestätigt DLRG-Sprecher Michael Neiße auf Nachfrage. Die Lebensretter betreiben direkt vor der Wasserskistrecke die Wasserrettungsstation Am Großen Fenster. Unfälle, an denen Jetskifahrer beteiligt gewesen waren, seien noch nicht vorgekommen, erklärt der DLRG-Mann.

Mehr Fun-Fahrzeuge auf dem Wasser. Dass die Anzahl der Jetskis, Wassermotorrädern und Wasserscootern auf den Berliner Gewässern zugenommen habe, bestätigt die Polizei. Allerdings gäbe es in ganz Berlin keine Wasserfläche, auf der mit den schnellen Fun-Geräten über das Wasser gerast und enge Manöver gefahren werden dürften. Verkehrte Welt.

Die Regeln sind klar: Boote jeder Art dürfen auf der unteren Havel und auf dem Wannsee höchstens 12 Kilometer pro Stunde schnell fahren. Ist das Gewässer breit genug, darf außerhalb des 100 Meter breiten Uferschutzstreifens auch auf 25 Kilometer pro Stunde aufgedreht werden – das ist auf der Havel selten möglich. Auch für Jetskis und Co. – im Amtsdeutsch heißen sie „Personal Watercraft“ (PWC) – gilt diese Geschwindigkeitsbegrenzung. Eigentlich sind Wassermotorräder auf Binnenwasserstraßen verboten, teilt die Polizeipressestelle mit. Es gibt zwei Ausnahmen: Wenn Sie mit Ihrem Wasservehikel auf große Tour gehen und eine Wanderfahrt machen, haben Sie dafür den staatlichen Segen – allerdings dürfen Sie nur einmal hin- und herfahren (mehr als zweimal dürfen Sie keine Stelle passieren). Die andere Ausnahme ist der Weg von der Stelle, an der Sie Ihr Motorrad zu Wasser lassen, bis zu einer für PWC freigegebenen Wasserfläche – die es in Berlin nicht gibt.

Sie merken, wer sich in Berlin einen Jetski zulegt und glaubt, auf dem Gerät kräftig und angeberisch auf die Tube drücken zu können, ist selber schuld. Allerdings bieten diverse Vermietungen die Gefährte an. Allein im Juni hat die Wasserschutzpolizei fünf Jetski-Fahrer wegen zu hoher Geschwindigkeit oder unangemessenen Manövern – auf dem Jetski dürfen Sie nur einen klaren Kurs fahren, um andere Wassersportler wie auch Schwimmer nicht zu gefährden – gestoppt. Das kann teuer werden. Wer auf dem Wasser zu schnell fährt, muss mit einem Bußgeld zwischen 35 und 900 Euro rechnen. „Sollte dem Fahrzeugführer ein vorsätzliches Verhalten nachgewiesen werden können, sind auch vierstellige Beträge durchaus möglich“, schreibt Polizeisprecher Michael Gassen. Und wer mit dem Jetski Kapriolen schlägt, über seine Bugwelle springt oder enge Kurven fährt, riskiert ein Verwarnungs- oder Bußgeld zwischen 55 und 300 Euro.

Was sind Ihre Erfahrungen? Röhrende Jetskis, laute Partyboote, PS-starke Speedboote – fühlen Sie sich auf, in und an den Gewässern im Südwesten noch wohl? Schreiben Sie mir, meine E-Mail-Adresse lautet boris.buchholz@tagesspiegel.de.