Nachbarschaft

Veröffentlicht am 30.07.2020 von Boris Buchholz

Als sie im Juni im Tagesspiegel-Newsletter las, dass die Tiergehege im Gemeindepark Berlin-Lankwitz ehrenamtlicher Hilfe bedürfen (meinen Aufruf finden Sie hier), hat die Steglitzerin Beatrice Laufer, 54, nicht gezögert: Die Designerin und Inhaberin einer Werbetechnikfirma bot an, fehlende Schilder an den Gehegen zu konzipieren und herzustellen. Sie liebt Ihren Firmen- und Wohnsitz in der Lepsiusstraße auf dem Fichtenberg – sie komme schnell in die Schloßstraße und auch die Natur sei nicht weit: Die passionierte Reiterin dreht mit dem schwarzen Labrador-Schäferhund-Mix Frollein regelmäßig ihre Runden um den Grunewaldsee.

Frau Laufer, warum haben Sie sich vom Spendenaufruf angesprochen gefühlt? Da mein Karma-Konto mal wieder aufgefüllt werden musste, habe ich mich spontan gemeldet, um den Gemeindepark zu verschönern. Die Rückmeldung vom Gemeindepark folgte auf promptem Fuß: Der zuständige Tierpfleger Leo meldete sich knapp 30 Minuten später und tags darauf habe ich mich mit ihm bei den Gehegen getroffen. Glücklicherweise ist gerade eine Praktikantin bei uns aktiv, die Spaß an diesem Projekt hat und sich daran praktisch austoben darf. Im Gegensatz zu den sonst üblichen Geschäftsausstattungen und Beschilderungen für Steuerberater, Arztpraxen oder Bestattungsunternehmen, die eher das tägliche Brot ausmachen, ist das eine willkommene und wesentlich buntere Abwechslung.

Sie spendieren dem Tiergehege fünf neue Schilder: Was steht da drauf, wie sehen sie aus und wie groß sind sie? Wir produzieren fünf Schilder für Schaf-, Ziegen-, und Damwildgehege sowie die Vogelvolieren im Format 60 x 80 cm aus Aluminium mit Digitaldruck und UV-Schutzlaminat. Die Schilder stehen dann im Gehege, um Vandalismus vorzubeugen. Die Montage übernehmen die Tierpfleger im Gehege. Am kommenden Donnerstag ist Präsentation, dann dauert es noch mal circa eine Woche mit Feinabstimmung, so dass wir Mitte/Ende August die neuen Schilder ausliefern werden. Über das Layout kann ich Ihnen aufgrund der fehlenden Freigabe leider noch nichts verraten.

Wieviel Zeit müssen Sie für die Gestaltung und die Produktionsabwicklung investieren? Was sind die fünf Schilder wert? Pro Motiv mit Bildrecherche und Bearbeitung, Textrecherche und grafischer Gestaltung fallen circa zwei bis drei Stunden an, wir sind also 1,5 Tage damit beschäftigt. Das ergibt einen Wert von rund 1200 Euro für die Grafik. Dazu kommt noch die Produktion der Schilder mit rund 600 Euro. Da ich nicht nur Gestalterin bin, sondern auch einen produzierenden Betrieb habe, kann ich das fix und ohne viel Aufwand realisieren.

Die Schilder für das Tiergehege scheinen ein Herzensprojekt von Ihnen zu sein – gab es in der Vergangenheit noch andere? Auf jeden Fall sind mir drei sehr besondere Aufträge aus den letzten drei Jahrzehnten gut in Erinnerung: Zum einen haben wir die Olympische Fackel beschriftet.

Muss man die beschriften? Ich dachte, es ist immer die gleiche … Tatsächlich gibt es nicht nur eine Fackel, die durch die ganzen Länder getragen wird, sondern mehrere  – auch als Ersatz. Wir bekamen drei zur Beschriftung.

Und was stand da drauf? Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir die Fackel mit Jahreszahl und Sponsoren versehen, auf jeden Fall habe ich die Fackel mit in die Schule meines Sohnes genommen und damals unter großem Staunen im Sportunterricht präsentiert.

Was waren die anderen beiden Aufträge? Der zweite war das Saugen des Roten Teppichs, den wir auf dem Reichstagsgebäude für den Spanischen König Juan Carlos verlegt hatten – bevor dieser öffentlich wegen Elefantenjagd in Ungnade fiel. Und beim dritten mussten die Fenster der deutschen Botschaft in Pakistan mit Splitterschutzfolie kaschiert werden. Zwei Tage später griffen die USA Bin Laden an. Den Auftrag hat mein Mann damals erledigt und er und ich waren heilfroh, dass er gesund und rechtzeitig wieder zurück nach Berlin gekommen ist.

Wie hat die Corona-Zeit Ihr Geschäft beeinflusst? Durch Corona wurden viele Beschilderungen aus Kostengründen zusammengestrichen oder auf Ende des Jahres verschoben. Gemeistert hat mein vierköpfiger Betrieb die Krise durch das Segment boote-folieren.de. Wir geben Booten mit Folie einen neuen Look, frei nach dem Motto: „Machen Sie die Stegnachbarn neidisch…“ Aufträge aus dieser Richtung haben uns über Wasser gehalten. Wir sind gespannt, was die kommenden Monate bringen und freuen uns auf wieder einkehrende Normalität. – Text: Boris Buchholz
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Dieser Text stammt aus dem Tagesspiegel-Newsletter für Steglitz-Zehlendorf. Die Newsletter für alle 12 Berliner Bezirke gibt es kostenlos und in voller Länge hier: leute.tagesspiegel.de
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Hier die Themen im aktuellen Tagesspiegel-Newsletter für Steglitz-Zehlendorf

  • „Wie an der Autobahn“: Leser debattieren über den Krach auf dem Wasser
  • Einsatz gegen Rechts – nicht nur am Fehrbelliner Platz
  • Designerin spendet den Tiergehegen im Gemeindepark Lankwitz fünf Schilder – und redet über den spanischen König und Osama bin Laden.
  • Corona: Bisher gibt es zwei infizierte Urlaubsrückkehrer im Bezirk
  • Besonders erfolgreich in den Außenbezirken: E-Roller-Anbieter Voi will sein Angebot ausdehnen
  •  406 zu 12.860: Jetzt gibt es auch eine Online-Petition gegen die Umbenennung des U-Bahnhofs Onkel Toms Hütte
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  • Dem Gasometer so nah: Gehen Sie auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks Mariendorf auf Entdeckungstour
  • Der flotte Montagssalon: Open-Air-Jazzkonzert in Teltow
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