Intro

von Thomas Loy

Veröffentlicht am 13.01.2020

ein wenig Würde soll ihnen zurückgegeben werden, mehr als 70 Jahre nach ihrem Tod. 1360 Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden auf dem Friedhof in Altglienicke namenlos in Sammelgräbern bestattet. Und bald vergessen, nicht zuletzt, weil der Friedhof an der Grenze zu West-Berlin lag, Sperrgebiet. Der pensionierte Ingenieur Klaus Leutner stieß vor rund 15 Jahren aus Zufall auf die Grabstelle für „Antifaschisten“, die nur ein schlichter Stein ziert. Die Nazis hatten hier die Asche ermordeter KZ-Häftlinge aus Sachsenhausen, darunter Gegner des Naziregimes und Juden, bestatten lassen. 430 Polen sind nach Leutners Recherchen unter den Opfern. Auch Menschen mit Behinderung, anonyme Euthanasieopfer.

Eine „Namenswand“ für die Ewigkeit. Die Toten sollen nun aus der Anonymität geholt werden und einen würdigen Begräbnisort erhalten, viele Hinterbliebene haben erst durch Leutners Arbeit von dem Sammelgrab erfahren. Für die Neugestaltung der Begräbnisstätte hat der Senat einen Wettbewerb ausgelobt, den die Arbeitsgemeinschaft struber_gruber und outside landschaftsarchitektur aus Wien gewann. Ihr Entwurf sieht vor, das Grabfeld durch ein Metallband einzufassen und die Namen der Toten auf einer „Namenswand“ zu verewigen.

Paten werden noch gesucht. Die Wand ist das Herzstück des Projekts, die Namen der Toten sollen von „Paten“ geschrieben werden, damit eine Verbindung zu uns, den Lebenden, sichtbar wird. Am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, kommen die Paten ins Rathaus Köpenick, um einen der Namen aufzuschreiben, der Schriftzug kommt dann auf die Namenswand. 500 Paten, darunter auch Hinterbliebene, haben sich inzwischen gemeldet, weitere werden gesucht. Das Bezirksamt hofft auf Schulklassen oder Vereinsmannschaften, die zusammen mithelfen, diesen Gedenkort zu  gestalten. Die Organisatoren wollen am kommenden Sonnabend, 18. Januar, auf dem Neujahrsempfang der Bezirksamts für die Aktion werben. Zu dem Empfang ab 14 Uhr sind übrigens alle Treptower und Köpenicker eingeladen. berlin.de

Weitere Gedenkorte gesucht. Zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar, seit 1996 bundesweiter Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, sammeln wir berlinweit Orte des Gedenkens. Welche kennen Sie in Treptow-Köpenick? Schreiben Sie uns eine Mail. Es kann auch ein Haus sein, vor dem außergewöhnlich viele Stolpersteine liegen. Ende Januar stellen wir diese Orte in den Leute-Newslettern, auf tagesspiegel.de und in der gedruckten Zeitung vor.

Thomas Loy, aufgewachsen an der Küste (Nordsee), zog 1995 nach Berlin und wohnt mit seiner Familie seit zehn Jahren in Johannisthal. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-t.loy@tagesspiegel.de