Namen & Neues
Schoeler-Schlösschen wird zwei Jahre lang saniert
Veröffentlicht am 20.08.2021 von Cay Dobberke
Endlich soll die Sanierung des ältesten erhaltenen Wohnhauses in Wilmersdorf, des Schoeler-Schlösschens in der Wilhelmsaue, weitergehen. Passanten werden dies zunächst an Bauschildern erkennen. Das Bezirksamt wolle die Infotafeln bis Ende August vor dem denkmalgeschützten Haus aufstellen, sagte Bildungs- und Kulturstadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD) im Kulturausschuss der BVV. Die Innensanierung beginne „im Herbst“.
Auf einen genauen Zeitpunkt legt sich die Stadträtin nicht fest, weil eine Bauplanungsunterlage und ein Denkmalgutachten noch in Arbeit sind. Beides ist nötig, damit der Bund 1,575 Millionen Euro aus seinem Programm „Sanierung kommunaler Einrichtungen“ freigibt. Für diese Förderung hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags im Frühjahr 2019 gestimmt. Außerdem steht eine ähnlich hohe Summe aus dem Bezirkshaushalt zur Verfügung. „Die Kosten sind gesichert“, sagte Schmitt-Schmelz.
Im Herbst 2023 soll alles fertig sein. Außen wurde das Schoeler-Schlösschen bereits von der Stiftung Denkmalschutz Berlin saniert. Dann aber ging der Stiftung das Geld für ihr Projekt aus, und das Innere blieb eine unvollendete Baustelle. Teile des Hauses werden derzeit für kulturelle Angebote genutzt.
Das neue Nutzungskonzept stellte die Leiterin des Museums Charlottenburg-Wilmersdorf, Heike Hartmann, im Ausschuss vor. Ein „wohnortnahes“ Angebot soll die „Interessen, Lebenswelten und Potenziale aller Nutzer zum Ausgangspunkt nehmen“. Ein Schwerpunkt liegt bei Kunst und kultureller Bildung.
Geplant sind unter anderem ein multifunktionaler Veranstaltungssaal, Projekträume für Ausstellungen und Gruppenarbeit, ein „Nachbarschaftsgarten“ sowie ein Café, das seine Gäste drinnen und draußen bewirtet. Zum Konzept gehören auch generationübergreifende Aktivitäten, ein Ehrenamtsprogramm für Senioren, Jugendarbeit des Berliner Vereins „Outreach“ und eine „Bibliothek der Dinge“, in der man sich beispielsweise Bohrmaschinen ausleihen kann.
Angesichts dieser und weiterer Ideen fragten Ausschussmitglieder, ob das Schoeler-Schlösschen dafür überhaupt genug Platz biete. Heike Hartmann bejahte dies und zog einen Vergleich mit der Villa Oppenheim in Charlottenburg, die das Bezirksmuseum beherbergt. Auch diese sei nicht besonders groß, werde aber vielfältig genutzt.
Ein Aufzug soll das dreistöckige Schoeler-Schlösschen endlich barrierefrei machen. Um die Brandschutzvorschriften zu erfüllen, wird eine Außentreppe als zweiter Fluchtweg gebaut. Ein fünfköpfiges Team soll das Haus betreuen und leiten. Diese Stellen würden „sukzessive ab 2022 besetzt“, sagte Heike Hartmann.
Der CDU-Bezirksverordnete Reinhold Hartmann wollte wissen, ob das Schoeler-Schlösschen auch als Zweitstandort der Jugendkunstschule Charlottenburg infrage kommt. Für diese sucht das Bezirksamt zusätzliche Räume in Wilmersdorf. Das alte Haus in der Wilhelmsaue hält Stadträtin Schmitt-Schmelz für ungeeignet. Für die Erweiterung der Jugendkunstschule bahne sich eine andere Lösung an, fügte sie hinzu.
Die Anfänge des Schoeler-Schlösschens reichen bis Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. Zum Namensgeber wurde der Augenarzt Heinrich Schoeler, der das Gebäude und den Park dahinter Ende des 19. Jahrhunderts erwarb. Ab 1946 diente es als Kita – bis zu einem Brand im Jahr 2003. Später gab es einen kleinen Kultursalon mit Café, der 2011 schloss.
Später bemühte sich das Bezirksamt erfolglos um Lottomittel, um die begonnene Sanierung abzuschließen. Erst die Förderzusage des Bundes ermöglicht dies nun. Die aktuelle Kulturarbeit im Haus soll möglichst auch während der Bauarbeiten in eingeschränkter Form fortgesetzt werden. Eine Bürgerinitiative setzte sich für ein „selbstverwaltetes soziokulturelles Zentrum“ ein. Doch das Bezirksamt will die Trägerschaft nicht abgeben.