Kiezgespräch

Veröffentlicht am 12.06.2020 von Cay Dobberke

Billiger baden. Offiziell gibt es am Halensee nur eine zugelassene Badestelle – nämlich das frühere Freibad, das die Wirte des oberhalb an der Koenigsallee gelegenen italienischen Restaurants „Cappuccino Grand Café“ vor vier Jahren zur Strandbar Ku’damm Beach gemacht haben. Allerdings schreckte der Eintrittspreis in Höhe von zwölf Euro viele Menschen ab. Deshalb forderte die BVV bereits Ende Mai „sozialverträgliche“ Preise. Das Bezirksamt soll sich bei den Berliner Bäder-Betrieben dafür einsetzen, dass dieses Ziel in einer Neuausschreibung des Pachtvertrags verankert wird. Dem SPD-Antrag waren die Fraktionen der Grünen, der Linken und der CDU noch vor der Abstimmung beigetreten. Unklar blieb zunächst, wann mit einer neuen Ausschreibung zu rechnen ist.

Die Bäderbetriebe antworteten uns jetzt, dass „der aktuelle Pachtvertrag zum 31. Dezember ausläuft“. Unterdessen haben die Betreiber des Ku’damm-Beaches ihre Preise etwas verändert. Ein Tagesticket kostet nur noch sieben Euro inklusive der Miete für eine Liege. Wer sich außerdem ein großes Handtuch ausleiht, zahlt fünf Euro mehr und landet so wieder beim alten Preis. Teurer wird es für Eltern, die ihre Töchter oder Söhne mitbringen. Ursprünglich war der Eintritt für Kinder im Alter bis zu acht Jahren frei. Nun kostet eine Karte für bis zu sechsjährige Kinder fünf Euro.

Die Badesaison habe am vorigen Dienstag begonnen, sagte eine Angestellte. Das Schwimmen ist täglich von 9 bis 20 Uhr erlaubt, danach bleibt die Bar bis 22 Uhr geöffnet. Unter Bezirkspolitikern und bei den Bäderbetrieben herrscht der Eindruck vor, dass den Pächtern allein die Strandbar wichtig ist und sie den Badebetrieb nur fortführen, weil sie sich vertraglich dazu verpflichtet haben.

Eine kostenlose Alternative ist die als „FKK-Wiese“ bekannte Liegewiese neben der Stadtautobahn, die längst nicht mehr nur Nudisten anlockt. Um einen dortigen Zugang zum Wasser gab es im vorigen Jahr viel Ärger. Das Bezirksamt hatte am Ufer einen Zaun installiert, um die Vegetation zu schützen. Damit wurde ein schmaler Steg versperrt. An einer anderen Stelle konnten Schwimmer zwar weiterhin in den See gelangen, doch gilt dieser Bereich als gefährlich, weil Holzpfähle aus einer alten Uferbefestigung im Wasser stehen (in dem auch viele Steine herumliegen). Nach Bürgerprotesten kam es zu einem BVV-Beschluss, wonach der Zaun entfernt und der freie Zugang zum See „innerhalb von 14 Tagen“ ermöglicht werden sollte.

Das Bezirksamt gab den Steg wieder frei, ließ den restlichen Zaun aber stehen. Aktuell sind unser Leser Hans Markert und andere Besucher der Wiese besorgt über neue Pläne von Umweltstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne). Er will die Steintreppe unterhalb des benachbarten Spielplatzes sanieren lassen und dabei auch den bisher unbeliebten Wasserzugang umgestalten. Der Steg würde wieder abgesperrt.

Die bezirkliche SPD-Fraktion fordert eine öffentliche Informationsveranstaltung. Erst danach sollten Bauaufträge vergeben werden. Der Antrag steht auf der Tagesordnung der BVV am 18. Juni, wird aber wohl erst einmal in die Ausschüsse überwiesen. Stadtrat Schruoffeneger machte zuletzt deutlich, dass er die Interessen der Badenden an der Wiese berücksichtigen wolle. Andererseits müsse eines jedem klar sein: Aus amtlicher Sicht „ist das keine Badestelle“. Es gebe nur den Kompromiss, das Schwimmen dort zu „dulden“. – Text: Cay Dobberke

Dieser Text stammt aus dem Tagesspiegel-Newsletter für Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Tagesspiegel-Newsletter gibt es Bezirk für Bezirk und kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de
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