Robert Klages' Podcast-Tipp
Veröffentlicht am 27.01.2020
Ehemaliger Obdachloser startet Podcast-Serie: „Wenn man morgens statt Kaffee Wodka trinkt, dann ist man kein normaler Mensch mehr“, erzählt André Hoek, ehemaliger Obdachloser in seiner neuen Podcast-Serie „Unter freien Himmel“. Tagesspiegel Leute ist Medienpartner dieses Podcast. Hoek erzählt, ohne Musik, ohne Fragen, ohne irgendwas, seine Geschichte, sein Auf und Ab: Er war erfolgreich in seinem Beruf, lebte auf den Kanaren, hatte ein gutes Leben. Nachdem ihn seine Frau verließ, wurde er alkoholabhängig.
Er ging zurück nach Berlin, wurde obdachlos. Später, nachdem es wieder bergauf gegangen war, arbeitete er als Sozialarbeiter für Karuna e.V. am Bahnhof Lichtenberg. „Ex-Obdachlose sehen Notfälle besser als studierte Sozialarbeiter“, sagte Hoek damals. „Es gibt Dinge, die können an keiner Hochschule erlernt werden, die kennst du nur, wenn du selbst mal auf der Straße gelebt hast.“ Doch dann wurde er entlassen und Hoek musste zum Arbeitsamt und Hartz IV beantragen.
Heute arbeitet Hoek für ein Kreditinstitut. Als ich ihn zuletzt traf, ging es ihm gut und es wirkte so, als würde das auch so bleiben. Im Sommer hatte Hoek auch an der Sommerakademie für Kiezreporter*innen teilgenommen und über Obdachlose berichtet, als ich dort einen Kurs leitete. Ich schätze André Hoek sehr. Es ist toll, dass er uns seine Geschichte erzählt. Ich möchte euch wirklich bitten, das zu hören. Weil wir immer noch nicht richtig verstehen, was Obdachlosigkeit bedeutet und uns durch diesen Podcast annähern können. Wir erfahren von seiner ersten Nacht in der Notunterkunft, davon, wie es ist, wenn man als obdachloser Mensch zum Arzt muss, und vieles mehr.
In Folge sechs fragt Hoek auch, wie man Obdachlosen am besten helfen kann. „50 Cent dahin zu werfen ist ja schon fast eine Zumutung“, meint Hoek vollkommen zu Recht. Wir müssen die Obdachlosen als Menschen sehen: Uns vorstellen, wie sie als Kinder aufwuchsen, wie sie als Jugendliche lebten. Das waren alle mal, viele hatten mal normale Berufe. Geld geben sei trotzdem gut, sagt Hoek. Obdachlose brauchen Geld. Auch, wenn sie einen Teil davon versaufen werden. Aber Geld sei dennoch aktiver Kälteschutz, sagt Hoek. Der oder die Obdachlose wird das Geld auch in Kaffee und eine Unterkunft investieren. Ansonsten empfehlt Hoek, mal hinzugehen und zu fragen, was denn benötigt wird. Einige würden zum Beispiel gerne eine Taschenlampe haben, würden sich diese aber kaum eigenständig leisten können. Oder ein altes Radio, ein Taschenmesser, Socken, Kleidung.
Alle acht Kapitel von „Unter freiem Himmel“ könnt ihr euch hier kostenlos anhören: unterfreiemhimmel.podigee.io. Ihr findet den Podcast auch bei den üblichen Playern, beispielsweise auf Spotify oder Apple Podcasts. Die Folgen wurden alle von André Hoek eingesprochen, produziert wurden sie von Schønlein Media. Redaktion: Nayana Heuer, Coverbild: Amadeus E. Fronk/Cedric Soltani
– Text: Robert Klages
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