Intro
von Laura Hofmann
Veröffentlicht am 27.03.2019
Gefühlt vergeht kein Tag ohne eine neue Pressemitteilung zum Theater im Monbijoupark. Wenn man denkt, nun sei eine Einigung in Sicht, kommt die nächste Wendung. Als alternatives Projekt gestartet, ist das mittlerweile größte freie Theater der Stadt zum Zankapfel geworden und droht ganz unterzugehen. Dabei will die Bezirkspolitik genau das verhindern.
Auf der einen Seite steht Theaterchef Christian Schulz. Auf der anderen seine ehemaligen Partner: Bühnenbildner David Regehr, Regisseur und Dramaturg Maurici Farré und Schauspieler Matthias Horn. Sie wollen das Theater übernehmen. Für Schulz ist das Verrat, für seine Gegenspieler die letztmögliche Rettung des Theaters. Das stand im Sommer nämlich vor dem Aus. Weil sich Beschwerden von Anwohnern und auch aus dem Ensemble selbst häuften, soll die für Grünflächen zuständige Stadträtin Sabine Weißler (Grüne) das Projekt auf der öffentlichen Parkfläche, das jedes Jahr auf eine Ausnahmegenehmigung angewiesen ist, für beendet erklärt haben.Nur eine Intervention des Staatssekretärs für Kultur, Torsten Wöhlert, habe das noch verhindern können, heißt es.
Dass es das Theater weiterhin geben soll, ist auch Wunsch der Bezirksverordnetenversammlung. Zu den wichtigste Unterstützern zählt seit den Anfängen im Park vor 20 Jahren der Linken-Verordnete Sven Diedrich. Er kennt sowohl Theaterchef Schulz auch Bühnenbildner Regehr gut, ist mit beiden befreundet – mit Schulz zumindest war er das, bis der Machtkampf ums Theater schmutzig wurde. Da tauchte plötzlich eine Bürgschaft aus dem Jahr 2012 auf, als Diedrich das Restaurant „Luxemburg“ neben dem Babylon auf dem Rosa-Luxemburg-Platz startete. Die Schuld über 35.000 Euro, bei der zunächst nur Regehrs Name auftaucht, ging 2015 in Clärchens Ballhaus über, das Schulz und Regehr zusammen führen.
„Eine breite Mehrheit der BVV-Fraktionen steht hinter dem kulturellen Angebot und hat sich in der Vergangenheit für den Erhalt eingesetzt“, betont auch Bastian Roet von der FDP-Fraktion. „Gleichzeitig mussten die Verordneten mit ansehen, wie die Balance aus Kultur, dem gastronomischen Angebot und der besonderen Lage in eine immer größere Schieflage gekommen ist.“ Deshalb hatte die BVV im Dezember entschieden, dass das Bezirksamt nur noch einer gemeinnützigen GmbH die Ausnahmegenehmigung für die Nutzung der öffentlichen Parkfläche geben soll.
Wer nun den Zuschlag für die Miete der alten Charité-Bunkerdächer erhält, auf denen das Theater steht und die der Humboldt-Universität gehören, sollte eigentlich bis zum heutigen Mittwoch ausverhandelt sein. Doch in diesem Machtkampf ist gar nichts sicher. Gestern verkündete Schulz plötzlich, sich zurückzuziehen und seinen früheren Geschäftspartner Roger Jahnke, mit dem er sich 2015 zerstritten hatte, bei der Bewerbung um das Theater zu unterstützen. Die Humboldt-Universität hatte erst am Montag vorgeschlagen, Schulz könne ja weiterhin die Märchenhütten im Winter betreiben, im Sommer dagegen sollte die Gruppe um Regehr das Amphitheater gestalten.
Weil das ganze immer mehr einer Telenovela gleicht und man leicht den Überblick verliert, habe ich mit zwei Kollegen eine Reportage um die Intrigen des Theaters geschrieben, die in den kommenden Tagen im Tagesspiegel erscheint. Und über das Monbijou Hotel, das um die Ecke in eine vergangene Zeit entführt, hat mein Kollege Hannes Soltau berichtet.
Laura Hofmann ist Redakteurin für Landes-und Bezirkspolitik beim Tagesspiegel. Ihre erste Berliner Wohnung war im Wedding, hierher kehrt sie immer gerne zurück. Heute wohnt sie an der Grenze zwischen Mitte und Kreuzberg, die Türme vom Potsdamer Platz fest im Blick. Schreiben Sie ihr eine Mail oder folgen Sie ihr auf Twitter oder Facebook.