Namen & Neues

CDU in Spandau: "Pendler-Kollaps"

Veröffentlicht am 27.11.2018 von André Görke

Knackiger Leserbrief aus der Wasserstadt. Anlass: die Meldung im Spandau-Newsletter, dass dort die nächsten 1000 Wohnungen entstehen. „Wir Anwohner in Hakenfelde finden es überhaupt nicht lustig, was hier gerade passiert“, schimpft Leserin Anne Neumann. „Vielleicht sollten sich einige Senatoren um 7 Uhr morgens das Drama in der Wasserstadt ansehen.“ 8500 Wohnungen entstehen dort oben in den nächsten Jahren – selbst Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher, Linke, nennt Spandaus Norden „einen der größten Wohnungsbauschwerpunkte der Zukunft Berlins“. Knackpunkt: Der Verkehr kommt extrem langsam in die Gänge. Kai Wegner, CDU, schrieb erst am Montag: „Die Wirtschaftsregion steht vor einem Pendler-Kollaps. Senat und Landesregierung haben die Entwicklung im Pendlerverkehr verschlafen. Es fehlen nicht nur P&R-Angebote und eine Verstärkung des Schienenangebots, es fehlt eine gemeinsame Strategie für ein besseres Angebot an die Pendler.“ Hallo, Hallo, Verkehrssenatorin?

Verkehrssenatorin schreibt an Spandau-Newsletter. Das Büro von Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) hat noch mal in die Mailbox geguckt („Eingangsordner: Spamverdacht“) und uns ausführlich eine Einschätzung geschickt. Muss nicht jedem gefallen, aber jetzt ist eine Antwort auf dem Tisch, mit der man politisch arbeiten kann. „Wir arbeiten an einem Gesamtkonzept für die bessere Anbindung auch der neueren Wohngebiete Spandaus“, schreibt die Verkehrssenatorin an den Spandau-Newsletter. Aber: „Es gibt keine schnellen Festlegungen.“ Das BVG-Busnetz ist am Limit, aber was sind die Alternativen? Und was wird politisch gewollt? Jan Thomsen – er ist neuer Sprecher von Senatorin Regine Günther, lebt seit 1991 in Berlin (kennt also Spandau) – gibt hier die politische Einschätzung …

  • … zum S-Bahn-Bau in die Wasserstadt: „Die Verlängerung der Siemensbahn wäre eine Möglichkeit, die Wasserstadt und Gartenfeld ans Zentrum anzubinden. Beide Lösungen sind allerdings nicht kurzfristig verfügbar. Bei der Siemensbahn etwa rechnen wir schon auf der bisherigen Strecke mit einem Zeithorizont bis frühestens 2030 für eine mögliche Eröffnung.“ Übersetzt: Die Debatte um die S-Bahnstrecke durch Siemensstadt mag Tempo haben, vor 2030 rollt dort kein Zug – in die Wasserstadt noch viel später, wenn überhaupt. Elf Jahre für den Neubau einer S-Bahnstrecke (4,5 km) wäre übrigens schnell für Berliner Maßstäbe. Der Neubau unserer geliebten Freybrücke (160 Meter) hat sechs Jahre gedauert.
  • … zum U-Bahn-Neubau in Spandau: „Für mehrere U-Bahnlinien, darunter auch die Verlängerung der U7, werden Machbarkeitsstudien Erkenntnisse über Kosten und Zeitrahmen liefern. Allerdings sehen wir auch hier keine kurzfristige Realisierungschance zur Entlastung in Spandau.“ Übersetzt: Kosten? Kurzfristig? Keine Chance.
  • … zur Straßenbahn-Rückkehr nach Spandau: „Die Straßenbahn ist aus unserer Sicht eine sehr gute Lösung, müsste aber in Spandau komplett neu aufgebaut werden, da dort noch keine Infrastruktur verfügbar ist. Auch eine Straßenbahn ist daher keine kurzfristige Lösung für Verkehrsprobleme. Mögliche Streckenführungen sind noch offen. Alle Varianten eines Spandauer Tram-Netzes  – Zuführung aus dem BVG-Netz, Zuführung aus Potsdam oder der Aufbau eines Inselnetzes – benötigen einige Jahre bis zur wirksamen Umsetzung.“ Übersetzt: Politisch gewollt, aber nicht zeitnah umsetzbar – bis 2035 muss also das BVG-Busnetz durchhalten. Interessant: Der versteckte Hinweis „aus Potsdam“. Kommt die Straßenbahn über Kladow hoch nach Spandau? Hier finden Sie die Grafik des möglichen Tram-Netzes in Spandau.
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