Nachbarschaft

Veröffentlicht am 18.06.2019 von André Görke

12 Bezirke, 12 Portraits: In unseren Tagesspiegel-Newslettern stellen jede Woche Menschen vor, die etwas bewegen in ihrem Kiez. Hier unser Text als Leseprobe aus Spandau (passende zur Fete de la Musique): Carsten Albrecht, 55, Musiker. – Der Mann hat eine Vita, halten Sie sich fest: Er hat an der Hochschule für Musik, Hanns Eisler, und an der Udk studiert, ist Landeschorleiter der Stadt, gründete den Landesjugendchor, ein Kindertheater, unterrichtet an der… was das alles mit Spandau zu tun hat?

Herr Albrecht, Ihre Vita ist lang. Und was machen Sie nun in Spandau? „Ich bin Kirchenmusiker hier in Staaken.“

Der Pfarrer dort, Viktor Weber, erzählt uns: Sie hätten letztens so doll in die Tasten gehauen, dass er gedacht habe: „Der Mann zerstört gleich die Orgel. Es war wunderbar!“ Erzählen Sie.
„Ich komme aus Osnabrück, bin eine Weile gereist und in den 70ern als Kind nach Spandau gekommen, Hakenfelde. Abitur machte ich am Stein-Gymnasium, mein Vater hatte eine Firma für Elektro-Motoren am Klinkeplatz. Ich kam über den Konfirmandenunterricht zur Kirche und war ziemlich schnell begeistert von der Orgel. Diese Größe, dieser Farbklang! Ich weiß noch, wie ich als 15-Jähriger in der Wichernkirche in Hakenfelde Unterricht bekam. Ich habe meine Orgel-Lehrerin bewundert – so gut hat sie gespielt. Also habe ich die Nächte durchgeübt…“

…Sie haben nachts in der Kirche geübt?
„Wenn die Besucher weg sind und sich draußen nur noch die Nachtigall meldet, hat man die Kirche für sich allein. Ein sehr romantischer Ort, um an der Orgel zu üben.“

Wo steht denn die beste Orgel in Spandau?
„Da gibt es zwei richtig gute. Die eine steht in der Lutherkirche in der Neustadt. Klangschön, aber vielleicht etwas zu groß für die Kirche. Noch besser ist die Orgel in der Kirche St. Nikolai – die passt perfekt mit ihrer Größe in die Kirche. Und sie ist wirklich gut abgestimmt. Da kann man raffinierte Stücke spielen.“

Wir rufen Sie an wegen der Fête de la Musique am 21. Juni.
„Ich habe jeden Tag Fête de la Musique (lacht). Das ist mein großes Glück. Ich finde die Fete de la Musique spannend, sie ist ein großer Kulturschatz, weil es rausgeht aus den Proberäumen, rauf auf die Straßen – überall in Berlin. Wir haben als Chöre auch schon oft in ganz Berlin mitgemacht…“

… eine offizielle Bühne haben Sie aber 2019 nicht in Spandau, oder?
„Nein, aber wir veranstalten am 21. Juni unser „music@summernight“-Fest in Staaken – so eine Art Hausmusikabend. In der Kirchengemeinde am Pillnitzer Weg 8, um 18 Uhr. Los geht es mit dem Kinderchor, musiziert wird bis in die Dunkelheit. Kann gerne jeder vorbeikommen und hören, was wir so machen. Und dann schauen wir mal, wie das angenommen wird. Vielleicht sind wir dann 2020 auch bei der Fête de la Musique dabei, draußen mit einer eigenen Bühne.“ – Gespräch: André Görke

  • Info für Interessierte: 130 Musiker beteiligen sich allein in der Kirchengemeinde Staaken. Hier der Kontakt.
  • Tagesspiegel-Fotostrecke: Berlin-Staaken ist ein ganz spezieller Ortsteil und war einst geteilt. Hier zeigen wir Ihnen unsere Fotostrecke mit mehr als 70 BildernSie haben auch alte Fotos aus Staaken, die Sie zeigen möchten? Mail an: spandau@tagesspiegel.de
  • Noch mehr Tipps zur Fete de la Musique? Klar, finden Sie hier im aktuellen Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel – dort haben wir die beiden Bühnen vor dem Barfly und vor dem Lutetia vorgestellt. Hier der Tagesspiegel-Link.
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    Diesen Text haben wir als Leseprobe dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau entnommen. Den Spandau-Newsletter, den wir Ihnen einmal pro Woche kompakt mailen, können Sie ganz unkompliziert und kostenlos bestellen unter leute.tagesspiegel.de
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