Namen & Neues

Zweifel am Sinn: Reaktionen auf die neuen Radstreifen am Dahlemer Weg

Veröffentlicht am 20.12.2018 von Boris Buchholz

Jetzt sind die beiden geschützten Radstreifen am Dahlmer Weg so gut wie fertig. Zwar versperrten am Donnerstagmorgen noch Absperrbaken die Zugänge, doch haben viele Radfahrende den neuen Weg bereits genutzt, die Spuren im Straßenstaub belegen es. Die Quasi-Fertigstellung der neuen Radstreifen (ich berichtete im letzten Newsletter) erregt die Gemüter. Ein Dutzend Zuschriften erreichte mich, keine davon war positiv.

In keinem der Leserbriefe wird bezweifelt, dass man sicher über die Bahnbrücke am Dahlemer Weg radeln könne – doch das habe man vorher auch gekonnt, meinen die Schreiberinnen und Schreiber unisono. Größter Kritikpunkt der Bürger ist daher die Frage, ob eine Erneuerung des Radwegs am Dahlemer Weg überhaupt notwendig gewesen sei. „Erschlagen hat mich die Neuanlage auf dem Dahlemer Weg – dabei gab es da auch einen Radweg auf dem Bürgersteig, der immer den Radfahrern gehörte, da dort so gut wie kein Fußgänger lang geht“, schrieb eine Leserin. „Wir fühlten uns auf dem alten Radweg sicher“, äußert sich Leser Friedrich F. Zuther, „es bestand überhaupt kein Bedarf, etwas zu ändern.“ Stattdessen seien – vor allem durch die Fehl-, Um- und Neu-Planungen Steuergelder „verbrannt“ worden. Nicht nur sei der Umbau unnötig gewesen, im Ergebnis „dieser tollen Maßnahme quält sich der Autoverkehr nunmehr durch die Sundgauer beziehungsweise Drakestraße“, kritisiert Leser Wolfgang Fischer. Und Holger Schulze findet, der Radstreifen sei „grüne Ideologie“: „Hier wurde eine ‚Fahrrad-Autobahn‘ geschaffen, die nach nur wenigen Metern wieder auf einem schmalen Radweg endet. Das ist sicher kein Problem, bei den wenigen Fahrradfahrern, die ihn nutzen werden.“

An die Zukunft denkt Leser Bernd Hullmann. Er macht sich um den Unterhalt des Radstreifens Sorgen: „Wie sieht die Pollerstrecke in zwei Jahren aus? Die Hälfte der Poller fehlt (Vandalismus oder Winterdienst) und die restlichen stehen vor Dreck.“ Die einsame Strecke könnte dann nachts „für den Radler unheimlich“ werden. Und dann bezieht er sich auf das Rad-Ereignis des Jahres 2018, es hat Steglitz-Zehlendorf anscheinend dauerhaft geprägt: „Oder sollen wir schon damit zufrieden sein, dass der Weg keinen Zick-Zack-Verlauf hat?“ Für alle, die später zugeschaltet haben: Er bezieht sich auf den missglückten eckigen Radweg an der Leo-Baeck-Straße, der inzwischen wieder entfernt wurde (hier ist die Geschichte zum Nachlesen). Wenn es ein bezirkliches Wort des Jahres 2018 gäbe, in Steglitz-Zehlendorf hieße es wohl „Zick-Zack“. Oder wäre es das Un-Wort des Jahres?

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