Namen & Neues

Was lange währt, wird endlich Platz: Der Umbau des Hermann-Ehlers-Platzes kann kommen

Veröffentlicht am 09.03.2023 von Boris Buchholz

Den Paragraph 58 Absatz 3 des Berliner Mobilitätsgesetzes sollte man sich merken: Er sieht vor, dass in einer Frist von drei Jahren in jedem Bezirk ein Modellprojekt zur Förderung des Fußverkehrs umgesetzt oder fertig geplant werden muss. Beschlossen wurde das Gesetz im Februar 2021 – damit es mit der Umsetzung dieser Pläne bis zum Frühjahr 2024 auch etwas wird, machen Senat und Bezirke Nägeln mit Köpfen: Am Montag stellte Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) zehn Projekte vor (kurios: in der Pressemitteilung des Senats wurde statt der amtierenden Verantwortlichen der Mutter des ersten Mobilitätsgesetzes der Republik gehuldigt, der Längst-nicht-mehr Senatorin Regine Günther, auch Grüne). Senatorin Jarasch sagte, „wir werden daher mehr Platz, mehr Schutz, mehr Grün und mehr Möglichkeiten zu verweilen schaffen – überall in der Stadt“. Und das bedeutet für Steglitz-Zehlendorf: Nach etwa 15 Jahren des Geredes wird nun die Umgestaltung des Hermann-Ehlers-Platzes kommen.

Mehr Platzgefühl, mehr Wasser, mehr Schatten. Konkret soll die kleine Straße zwischen Platz und Häusern für den Verkehr gesperrt werden, sodass die nutzbare Platzfläche größer wird und Cafés und Restaurants ihre Tische und Sitzmöbel platzieren können. Der Brunnen und die Hochbeete sollen verschwinden, so soll mehr Platz für Feste und Märkte gewonnen werden. Als neue Attraktion ist stattdessen ein ebenerdiges Wasserspiel geplant. In der Nähe des Wasserspektakels (hoffentlich wird es das) und an der Seite zur Albrechtstraße werden neue Sitzbänke installiert.

Das passt: Auch neue schattenspendende Bäume sollen den Platz grüner und attraktiver machen. Schließlich soll der Bodenbelag verändert werden, sodass zum einen die Barrierefreiheit verbessert und zum anderen die Wegeführung deutlicher wird. Dann werden taktile Elemente wie unterschiedliche Bodenmaterialien blinden und sehbehinderten Menschen bei der Orientierung helfen. Auch eine bessere Beleuchtung und eine Vereinheitlichung der Platzelemente wie der Baumscheiben und Poller sind vorgesehen (mehr hier auf berlin.de).

Wie groß der Wurf letztendlich wird, wird man sehen. Um die Platzgestaltung hatte es zuletzt 2021 eine lebendige Diskussion gegeben (hier zu lesen), auch ein Alternativentwurf wurde vorgelegt; die Steglitzer Architektin Marianne Wagner hatte ihn entworfen (hier zu lesen). Einig war sich die Fachfrau, die zwischenzeitlich für die Grünen in die Bezirksverordnetenversammlung nachgerückt war, mit dem Straßen- und Grünflächenamt allerdings auch, und zwar in Sachen Wasser: „Die Spiegelwand und die Wasserspiele veredeln den Platz“, findet sie. Beides könnte nachts angestrahlt werden und so dem Platz auch im Dunkeln einen attraktiven Rahmen geben.

2021 war noch unklar, ob das vorhandene Geld – nur 600.000 Euro waren für die Platzumgestaltung vorgesehen – für das Wasserspiel ausreichen würde. Die damalige Stadträtin und heutige Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg (Grüne) hatte klar definiert, dass Belag, Bäumen und Bänke vor dem Wasser Priorität hätten. Der ebenerdige Brunnen werde „nach hinten geschoben“, sagte sie damals.

Doch durch die Definition als Fußgänger-Modellprojekt hat ihr für Straßen und Plätze verantwortlicher Nachfolger, Urban Aykal (auch Grüne), eine neue Finanzierungsquelle aufgetan. Für alle zehn definierten Projekte sind „gut 24 Millionen Euro“ im Landeshaushalt reserviert. Wenn die Verteilung nach dem Gießkannenprinzip erfolgt, stehen für den Hermann-Ehlers-Platz jetzt über zwei Millionen Euro zur Verfügung. Einen Grund mit dem Umbau zu warten, gibt es nicht mehr.

  • Zeichnung: Grünflächenamt Steglitz-Zehlendorf