Namen & Neues
Immer noch Ärger um Bauprojekt an der Uhlandstraße
Veröffentlicht am 23.12.2021 von Cay Dobberke
Über lobende Worte des inzwischen nicht mehr amtierenden Baustadtrats Oliver Schruoffeneger (Grüne) für eine „nachhaltige Stadtreparatur“ in der Uhlandstraße“ haben wir in der vergangenen Woche berichtet. Ganz anders sieht eine Anwohnerin das Neubauprojekt zwischen der Uhland-, Fechner- und Berliner Straße.
„Zynisch“ und wie ein „Euphemismus für die schleichende Vertreibung“ der Mieter klinge Schruoffenegers Presseerklärung zum Abschluss eines städtebaulichen Vertrags mit der Immobilienfirma Krieger + Schramm, kritisiert die Frau. Sie wohnt in einem Nachbarhaus und möchte nicht namentlich genannt werden.
Der neue Baustadtrat Fabian Schmitz-Grethlein (SPD) stimmt dagegen Schruoffeneger zu. Er kenne noch nicht alle Details des Projekts, könne aber „schon sagen, dass ich die derzeitige städtebauliche Situation für nicht gelungen halte und insofern eine Veränderung aus meiner Sicht Not tut“. Der Investor habe mit den Mieter:innen „Vereinbarungen getroffen“. Außerdem werde mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen. Im Bestand gebe es 24 Wohnungen. „Nun werden wir 122 bekommen, von denen 35 mietpreisgebunden sein werden.“
Bisher sieht es in der Uhlandstraße nicht besonders schön aus. Eine große Brandwand prägt die Ecke an der Fechnerstraße. Davor gibt es einstöckige Flachbauten mit Lokalen.
Sollte das so bleiben? Die Nachbarin findet, das Bezirksamt hätte die Brandwand „zum Beispiel als Kunstfläche gestalten können“. Die bisherige Architektur gehöre zu einer Stadtplanung, die eine dichte Bebauung wie in der Vorkriegszeit „nicht mehr zulassen wollte“ und „nicht Kapitalverwertung um jeden Preis betrieb“.
Ein italienisches Restaurant könnte das Bauprojekt verzögern. Sein Mietvertrag gelte noch acht Jahre lang, sagte der Wirt dem Tagesspiegel. Er sei zufrieden mit dem Standort und wolle eigentlich nicht ausziehen. Gegen eine Abfindungszahlung wäre er vielleicht dazu bereit. Aber: „Ich habe seit einem Jahr nichts von den Eigentümern gehört.“
Rätselhaft bleibt, warum das Bezirksamt den Bau von Arkaden über dem Gehweg in der Uhlandstraße genehmigen will. Die BVV hatte sich dagegen ausgesprochen. Dem Tagesspiegel liegt außerdem ein Schreiben von Stadtrat Schruoffeneger vor. Im Mai 2020 versicherte er einer Anwohnerin, die Bebauung des Gehwegs sei „ausgeschlossen“. Schruoffeneger will dazu keine Auskünfte geben und verweist darauf, dass er nicht mehr Baustadtrat ist.
Für die Erhaltung des Hauses an der Fechnerstraße 7 hatten Mieterinnen und Mieter gekämpft. Doch vor knapp eineinhalb Jahren gaben sie auf, weil die Politik sie „allein gelassen“ habe.